{"id":1392,"date":"2011-07-08T07:05:07","date_gmt":"2011-07-08T07:05:07","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/?p=1392"},"modified":"2011-07-08T08:57:30","modified_gmt":"2011-07-08T08:57:30","slug":"chinesische-unternehmen-drangen-an-deutsche-borse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2011\/07\/08\/chinesische-unternehmen-drangen-an-deutsche-borse\/","title":{"rendered":"Chinesische Unternehmen dr\u00e4ngen an Deutsche B\u00f6rse"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr chinesische Unternehmen dr\u00e4ngen an die Deutsche B\u00f6rse. Nach Angaben der Deutschen B\u00f6rse hat die Zahl inzwischen die 30 \u00fcberschritten, und &#8211; je nach Marktumfeld &#8211; k\u00f6nnte bald das halbe Hundert voll sein.<\/p>\n<p>In Zeiten globalisierter Kapitalm\u00e4rkte und der Dominanz der Handelspl\u00e4tze von New York und London ist eine solche Entwicklung erstaunlich und regt zur Suche nach den Gr\u00fcnden an. Ein erster Aspekt ist die Branche: Es geht ganz \u00fcberwiegend um Maschinenbau- und Technologie-Unternehmen, zum Teil solche, die den deutschen Markt (etwa in Form der Handelsriesen Metro und Obi) beliefern. F\u00fcr ihren Schritt nach Deutschland f\u00fchren sie an, dass sie hier \u201evom Markt verstanden\u201c werden; in New York oder London w\u00fcrden sie demgegen\u00fcber &#8211; weil dort \u201ejeder hingeht\u201c &#8211; gar nicht auffallen.<!--more--><\/p>\n<p>Ein weiterer genannter Aspekt l\u00e4sst allerdings den Juristen aufhorchen: Genannt wird n\u00e4mlich auch das verl\u00e4ssliche(re) regulatorische Umfeld der Deutschen B\u00f6rse. Bei Lichte besehen k\u00f6nnte dies (auch) hei\u00dfen, dass das kodifizierte kontinentaleurop\u00e4ische Zivilrecht als verl\u00e4sslicher empfunden wird als das st\u00e4rker auf eine Suche nach Einzelfallgerechtigkeit ausgerichtete common law. Sicher, \u201eregulatorische Verl\u00e4sslichkeit\u201c ist nicht allein eine Frage des Rechtssystems, zumal Kapitalmarktrecht ohnehin recht stark kodifiziert ist, auch in England und den USA. Aber die Aussage macht doch zumindest nachdenklich, weil sie der Diskussion um den \u201eWettbewerb der Rechtsordnungen\u201c eine neue Facette hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wer die Begr\u00fcndung etwas n\u00e4her hinterfragt, st\u00f6\u00dft im \u00dcbrigen gleich auf die Sorge, mit unberechtigten Klagen \u00fcberzogen zu werden, vor allem in den USA. Nach betr\u00fcgerischen Emissionen chinesischer Unternehmen h\u00e4uften sich dort n\u00e4mlich die F\u00e4lle, in denen Gesellschaften aus dem Reich der Mitte unter Generalverdacht gestellt w\u00fcrden &#8211; und dementsprechend bei geringsten Anzeichen fehlerhafter Informationen mit (Sammel-)Klagen \u00fcberzogen werden. Sicher: Betrug geh\u00f6rt verfolgt, und zwar gerade auch zivilrechtlich, aber andererseits ist die Frage, wie man mit den F\u00e4llen blo\u00dfen Verdachts &#8211; und das ist die Mehrzahl der F\u00e4lle &#8211; umgeht. Je st\u00e4rker ein System \u201eover-inclusive\u201c arbeitet, desto weniger attraktiv ist es (verst\u00e4ndlicherweise) f\u00fcr den Emittenten.<\/p>\n<p>Letztlich steht dahinter die Frage nach den Kosten f\u00fcr eine Emission, die auch ungeachtet des Klagerisikos von chinesischen Unternehmen f\u00fcr eine Emission in Deutschland angef\u00fchrt werden. Denn wenn die Emissionskosten in London die H\u00e4lfte derer von New York und in Frankfurt die H\u00e4lfte derjenigen von London betragen, liegt Frankfurt vor allem f\u00fcr kleinere Unternehmen &#8211; und um diese geht es bislang &#8211; n\u00e4her an Peking als London oder New York.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr chinesische Unternehmen dr\u00e4ngen an die Deutsche B\u00f6rse. Nach Angaben der Deutschen B\u00f6rse hat die Zahl inzwischen die 30 \u00fcberschritten, und &#8211; je nach Marktumfeld &#8211; k\u00f6nnte bald das halbe Hundert voll sein. 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