{"id":3261,"date":"2012-02-13T14:30:15","date_gmt":"2012-02-13T13:30:15","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/?p=3261"},"modified":"2014-09-24T15:10:29","modified_gmt":"2014-09-24T13:10:29","slug":"anspruch-der-aktionare-auf-einschreiten-der-bafin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2012\/02\/13\/anspruch-der-aktionare-auf-einschreiten-der-bafin\/","title":{"rendered":"Anspruch der Aktion\u00e4re auf Einschreiten der BaFin?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_6684\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/files\/2012\/02\/Derst-Philipp.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6684\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-6684\" alt=\"RA Dr. Philipp Derst, Associate, Baker &amp; McKenzie, D\u00fcsseldorf\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/files\/2012\/02\/Derst-Philipp-168x168.jpg\" width=\"168\" height=\"168\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6684\" class=\"wp-caption-text\">RA Dr. Philipp Derst, Associate, Baker &amp; McKenzie, D\u00fcsseldorf<\/p><\/div>\n<p>Wer die Kontrolle \u00fcber eine b\u00f6rsennotierte Aktiengesellschaft erlangt, hat den \u00fcbrigen Aktion\u00e4ren ein Angebot auf Erwerb ihrer Aktien, ein sog. Pflichtangebot nach \u00a7 35 Wp\u00dcG zu unterbreiten. Doch was geschieht, wenn der Bieter die Abgabe eines Pflichtangebots pflichtwidrig unterl\u00e4sst und die BaFin nicht einschreitet, da sie f\u00e4lschlicherweise davon ausgeht, die Voraussetzungen der Angebotspflicht bzw. der Kontrollerlangung l\u00e4gen nicht vor? K\u00f6nnen die Aktion\u00e4re der Zielgesellschaft von der BaFin ein Einschreiten gegen den s\u00e4umigen Bieter verlangen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Wertpapiererwerbs- und \u00dcbernahmesenat des OLG Frankfurt\/M. hat diese Frage im Beschluss vom 5. 12. 2011 \u2013 Wp\u00dcG 1\/11, <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,466068,\" target=\"_blank\">DB 2012 S. 275 <\/a>(betreffend das \u00dcbernahmeangebot der Deutsche Bank an die Aktion\u00e4re der Postbank) verneint und entschieden, dass die Aktion\u00e4re keinen Anspruch auf ein T\u00e4tigwerden der BaFin haben. Damit best\u00e4tigt der Senat seine bisherige Rechtsprechung in den Verfahren\u00a0 ProSieben\/Sat1 und Wella (<a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,26460,\" target=\"_blank\">DB 2003 S. 1373 <\/a>\u2013 Wella I; <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,26459,\" target=\"_blank\">DB 2003 S. 1371 <\/a>\u2013 ProSieben I; <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,27426,\" target=\"_blank\">DB 2003 S. 1782 <\/a>\u2013 Wella II; <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,31225,\" target=\"_blank\">DB 2003 S. 2537<\/a> \u2013 ProSieben II), wonach die Vorschriften des Wp\u00dcG keinen \u00f6ffentlich-rechtlichen Drittschutz vermitteln. Nach Ansicht des Senats habe sich daran auch durch das zwischenzeitliche Inkrafttreten der EU-\u00dcbernahmerichtlinie und des darauf beruhenden \u00dcbernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetzes nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Mit der Entscheidung des OLG Frankfurt\/M. d\u00fcrfte f\u00fcr die Praxis weitgehend gekl\u00e4rt sein, dass die BaFin Dritten gegen\u00fcber nicht zu einem Einschreiten verpflichtet ist. Interessant ist jedoch auch, was der Senat in einem obiter dictum zum zivilrechtlichen Anlegerschutz im Wp\u00dcG ausf\u00fchrt: F\u00fcr den Fall eines behaupteten unterlassenen Pflichtangebots gew\u00e4hre \u00a7 38 Wp\u00dcG den Aktion\u00e4ren der Zielgesellschaft einen im Zivilrechtsweg durchsetzbaren Zinsanspruch. Die Qualifikation des \u00a7 38 Wp\u00dcG als selbstst\u00e4ndig durchsetzbarer Zinsanspruch ist umstritten. Der BGH hat die Frage in seiner WMF-Entscheidung (18. 9. 2006 &#8211; II ZR 137\/05, <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,189965,\" target=\"_blank\">DB 2006 S. 2452<\/a>) zwar angesprochen, aber nicht abschlie\u00dfend beantwortet. Auch wenn die Entscheidung des OLG Frankfurt\/M. das Wort \u201eselbstst\u00e4ndig\u201c nicht verwendet, m\u00fcssen s\u00e4umige Bieter wohl verst\u00e4rkt damit rechnen, dass Aktion\u00e4re das Urteil zu ihren Gunsten interpretieren.<\/p>\n<p>Dass das Urteil auch als Begr\u00fcndung f\u00fcr die Zulassung von \u00fcber den Zinsschaden hinausgehenden Schadensersatzanspr\u00fcchen der Aktion\u00e4re aus \u00a7\u00a0823 Abs. 2 BGB i. V. mit \u00a7 35 Wp\u00dcG dienen k\u00f6nnte, erscheint dagegen eher fraglich. Das vom OLG Frankfurt\/M. zustimmend zitierte LG K\u00f6ln hat in seinen Urteilen vom 4. 2. 2011 \u2013 82 O 30\/09 und vom 29. 7. 2011 \u2013 82 O 28\/11 einen zivilrechtlichen Drittschutz verneint. Die Frage ist allerdings umstritten. Nach anderer Ansicht hat \u00a7 35 Wp\u00dcG Schutzgesetzcharakter mit der Folge eines entsprechenden Schadensersatzanspruchs der Aktion\u00e4re (Gesamtdarstellung bei Derst, Anspr\u00fcche von Aktion\u00e4ren bei unterlassenem Pflichtangebot, 2010). Die Systematik des Wp\u00dcG legt eine solche Auffassung allerdings nicht nahe: \u00a7 38 Wp\u00dcG begr\u00fcndet n\u00e4mlich \u00a0anders als \u00a7 35 Wp\u00dcG ausdr\u00fccklich eine Verpflichtung des Bieters gegen\u00fcber den Aktion\u00e4ren. Der Zinszahlungsanspruch kn\u00fcpft zudem nicht an die Entstehung eines zivilrechtlichen Anspruchs auf Kauf von Aktien durch den Angebotsverpflichteten an, sondern an einen Versto\u00df gegen die kapitalmarktrechtlichen Vorschriften des \u00a7\u00a035 Wp\u00dcG (Geibel\/S\u00fc\u00dfmann\/Meyer, Wp\u00dcG, 2. Aufl. 2008 \u00a7 35 Rdn. 59). Beide Vorschriften k\u00f6nnen mithin unterschiedlich gewertet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer die Kontrolle \u00fcber eine b\u00f6rsennotierte Aktiengesellschaft erlangt, hat den \u00fcbrigen Aktion\u00e4ren ein Angebot auf Erwerb ihrer Aktien, ein sog. Pflichtangebot nach \u00a7 35 Wp\u00dcG zu unterbreiten. 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