{"id":7408,"date":"2016-03-11T13:26:56","date_gmt":"2016-03-11T12:26:56","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/?p=7408"},"modified":"2016-03-11T13:26:56","modified_gmt":"2016-03-11T12:26:56","slug":"die-begriffe-junior-consultant-und-berufseinsteiger-indizieren-keine-altersdiskriminierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2016\/03\/11\/die-begriffe-junior-consultant-und-berufseinsteiger-indizieren-keine-altersdiskriminierung\/","title":{"rendered":"Die Begriffe \u201eJunior Consultant\u201c und \u201eBerufseinsteiger\u201c indizieren keine Altersdiskriminierung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_6944\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6944\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-6944\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/files\/2015\/02\/Gennert-168x168.jpg\" alt=\"RA Dr. Thomas Gennert, McDermott Will &amp; Emery Rechtsanw\u00e4lte Steuerberater LLP, D\u00fcsseldorf\" width=\"168\" height=\"168\" \/><p id=\"caption-attachment-6944\" class=\"wp-caption-text\">RA Dr. Thomas Gennert, McDermott Will &amp; Emery Rechtsanw\u00e4lte Steuerberater LLP, D\u00fcsseldorf<\/p><\/div>\n<p>Erneut musste sich ein Landesarbeitsgericht mit der Frage besch\u00e4ftigen, ob bestimmte Formulierungen in Stellenausschreibungen Indizien f\u00fcr eine Altersdiskriminierung von potentiellen Stellenbewerbern nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darstellen.<\/p>\n<p>Konkret ging es im Urteil des LAG Baden-W\u00fcrttemberg (Urteil vom 19.11.2015 \u2013 <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635932938565067647&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2frsv%2frsv_collection%2fd8%2f0%2fd80f88a25c4e4eb76269c709e14693a9.xml&amp;ref=hitlist_hl\">6 Sa 68\/14<\/a>), dessen Entscheidungsgr\u00fcnde inzwischen ver\u00f6ffentlicht wurden, um die Begriffe <em>\u201eJunior Consultant\u201c<\/em> und <em>\u201eBerufseinsteiger\u201c<\/em>.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>Das beklagte Unternehmen schrieb eine Stelle als <em>\u201eJunior Consultant\/Jurist (w\/m) Projekte kaufm\u00e4nnische Verwaltung\u201c<\/em> aus. In der Stellenbeschreibung hie\u00df es zudem unter anderem: <em>\u201eSie sind Berufseinsteiger oder konnten bereits erste Erfahrungen in einer Rechtsanwaltskanzlei oder in einem Unternehmen sammeln.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger ist promovierter Rechtsanwalt und betreibt eine eigene Rechtsanwaltskanzlei. Er behauptete, er habe sich per Email bei der Beklagten auf die Stelle als <em>\u201eJunior-Consultant\u201c<\/em> beworben. Da er nicht zum Vorstellungsgespr\u00e4ch eingeladen worden und auch nicht f\u00fcr die ausgeschriebene Stelle ber\u00fccksichtigt worden sei, habe die Beklagte ihn seines Lebensalters wegen diskriminiert. Indizien hierf\u00fcr seien die Begriffe <em>\u201eBerufsanf\u00e4nger\u201c<\/em> und <em>\u201eJunior Consutltant\u201c<\/em> aus der Stellenanzeige. Der Kl\u00e4ger verlangte auf Grundlage des AGG von der Beklagten, zun\u00e4chst vor dem Arbeitsgericht Heilbronn, Zahlung von Schadensersatz, wobei er sich mindestens 15.000 \u20ac vorstellte.<br \/>\nDie Beklagte behauptete, die Email des Kl\u00e4gers nicht erhalten zu haben und vertrat daneben die Auffassung, die Bewerbung des Kl\u00e4gers sei aber ohnehin nicht ernst gemeint gewesen. Daneben enthalte die Stellenanzeige keine diskriminierende Formulierung.<\/p>\n<p>Das Arbeitsgericht Heilbronn (Urteil vom 24.07.2014 \u2013 8 Ca 247\/13) hat die Klage mit der Begr\u00fcndung abgewiesen, der Kl\u00e4ger habe den Zugang seiner Bewerbungs-Email nicht bewiesen.<\/p>\n<p><strong>LAG Baden-W\u00fcrttemberg: Stellenanzeige enthielt keine Indizien f\u00fcr Diskriminierung<\/strong><\/p>\n<p>Das LAG Baden-W\u00fcrttemberg hat die Berufung des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Arbeitsgerichts am 19. November 2015 als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen: Es k\u00f6nne dahinstehen, ob sich der Kl\u00e4ger \u00fcberhaupt auf die Stellenanzeige bei der Beklagten beworben habe, und falls ja, ob diese Bewerbung ernst gemeint gewesen sei. Jedenfalls enthalte die Stellenanzeige der Beklagten keine Formulierung, die eine Diskriminierung des Kl\u00e4gers nach dem AGG indiziert h\u00e4tte. Der Begriff <em>\u201eBerufseinsteiger\u201c<\/em> sei an sich altersneutral, dies habe bereits das BAG entschieden (Urteil von 24.01.2013 \u2013 <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635932991401072790&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2fzsa%2fdb%2fde%2fd%2fded75500c0ff4340de80619268ac5270.xml&amp;ref=hitlist_hl\">8 AZR 429\/11<\/a>). Dieses Kriterium k\u00f6nne n\u00e4mlich auch derjenige erf\u00fcllen, der ungew\u00f6hnlich lange studiert und erst im vorger\u00fcckten Alter einen Abschluss gemacht habe. Der Begriff <em>\u201eJunior Consultant\u201c<\/em> bezeichne dagegen allein eine Hierarchieebene im Unternehmen. Das Alter des Mitarbeiters spiele insoweit keine Rolle. Eine <em>\u201eJunior-Position\u201c<\/em> bedeute allein, dass der betreffende Mitarbeiter eine niedrigere Rangstellung und eine geringere Entscheidungskompetenz habe, ohne dass diese Bezeichnung an das Alter des Mitarbeiters ankn\u00fcpfe. Hierbei verweist das LAG auf parallel gelagerte Entscheidungen des LAG Berlin-Brandenburg (Urteil vom 21.07.2011 \u2013 <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635932992335883367&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2fzsa%2fdb%2f20%2ff%2f20f1c9f2663e5a10a0d997d8392cc403.xml&amp;ref=hitlist_hl\">5 Sa 847\/11<\/a>) und des LAG Rheinland-Pfalz (Urteil vom 10.02.2014 \u2013 <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635932992757343062&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2frsv%2frsv_collection%2fdc%2f9%2fdc9835b4f63290f62524ebf825d8f4e6.xml&amp;ref=hitlist_hl\">3 Sa 27\/13<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Demn\u00e4chst wird das BAG hier f\u00fcr Klarheit sorgen<\/strong><\/p>\n<p>Die Entscheidung des LAG Baden-W\u00fcrttemberg liegt in Bezug auf die Stellenbezeichnung \u201eJunior-&#8230;\u201c ganz auf der Linie der obergerichtlichen Rechtsprechung, nach der derartige, aus dem angels\u00e4chsischem Raum kommende Stellenbeschreibungen lediglich die Hierarchiestufe, nicht aber das Lebensalter des potentiellen Bewerbers im Blick haben.<\/p>\n<p>So \u00fcberzeugend die Erw\u00e4gungen des LAG Baden-W\u00fcrttemberg mit Blick auf die in Bezug genommene Rechtsprechung des BAG zur Stellenanforderung <em>\u201eBerufseinsteiger\u201c<\/em> auch sind, hat zuletzt das LAG D\u00fcsseldorf (Urteil vom 09.06.2015 \u2013 <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635932993590866295&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2frsv%2frsv_collection%2f40%2f1%2f40167ae023230963ecc356a8e8de07d7.xml&amp;ref=hitlist_hl\">16 Sa 1279\/14<\/a>) genau das Gegenteil entschieden: Da Berufseinsteiger (bzw. -anf\u00e4nger) typischerweise j\u00fcnger als Berufserfahrene seien, handele es sich jedenfalls um eine mittelbare Diskriminierung, welche nach dem AGG einer besondere Rechtfertigung bed\u00fcrfe. Gegen dieses Urteil ist bereits die Revision beim BAG anh\u00e4ngig (8 AZR 454\/15).<\/p>\n<p>Im Kern wird das BAG hier vor allem zu der typisierenden Betrachtung im Rahmen der Feststellung diskriminierender Indizien Stellung nehmen m\u00fcssen. Diese kann n\u00e4mlich zu seltsamen Ergebnissen f\u00fchren: Auch wenn in Bezug auf den <em>\u201eJunior\u201c<\/em> den Gerichten voll beizupflichten ist, dass es hierbei allein um die unternehmensinterne Hierarchie geht und gerade nicht um das Lebensalter des Bewerbers, so ist auch zu ber\u00fccksichtigen, dass sich die <em>\u201eJunior\u201c<\/em>-Position eben auch durch eine <em>\u201efehlende betriebliche\u201c<\/em> und geringe <em>\u201espezifische Berufserfahrung\u201c<\/em> auszeichnet, womit man wieder beim <em>\u201eBerufsanf\u00e4nger\u201c<\/em> landet. Auch in Bezug auf<em> \u201eJunior-Positionen\u201c<\/em> l\u00e4sst sich gleichwohl ebenfalls die typisierende Hypothese aufstellen, wonach diese typischerweise (aber eben nicht immer) von j\u00fcngeren Personen bekleidet werden.<\/p>\n<p>Das BAG wird hierbei das Bed\u00fcrfnis der Arbeitgeber, Stellen f\u00fcr eine bestimmte Hierachieebene diskriminierungsfrei ausschreiben zu k\u00f6nnen, zu ber\u00fccksichtigten haben, sodass es den Unternehmen nicht unm\u00f6glich wird, das Risiko f\u00fcr Diskriminierungs-Prozesse zu minimieren. Auch im Fall des LAG Baden-W\u00fcrttemberg klang zudem an, dass der Kl\u00e4ger \u2013 ein erfahrener Rechtsanwalt \u2013 sich nur mit dem Ziel der Geltendmachung von Ersatzanspr\u00fcchen bei der Beklagten auf die ausgeschriebene Junior-Stelle beworben hat. Auch im Hinblick auf die nicht in geringer Zahl auftretenden Missbrauchsf\u00e4lle wird das BAG (oder der EuGH) hier demn\u00e4chst hoffentlich f\u00fcr Klarheit sorgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erneut musste sich ein Landesarbeitsgericht mit der Frage besch\u00e4ftigen, ob bestimmte Formulierungen in Stellenausschreibungen Indizien f\u00fcr eine Altersdiskriminierung von potentiellen Stellenbewerbern nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darstellen. Konkret ging es im Urteil des LAG Baden-W\u00fcrttemberg (Urteil vom 19.11.2015 \u2013 6 &hellip; <a href=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2016\/03\/11\/die-begriffe-junior-consultant-und-berufseinsteiger-indizieren-keine-altersdiskriminierung\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":304378,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2241,39615],"tags":[1945,1856,45251,19957,2040,2226,45250,34519,45249],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7408"}],"collection":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/users\/304378"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7408"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7410,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7408\/revisions\/7410"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}