{"id":8134,"date":"2018-05-09T15:00:44","date_gmt":"2018-05-09T13:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/?p=8134"},"modified":"2018-05-09T14:00:29","modified_gmt":"2018-05-09T12:00:29","slug":"aufspalten-fuer-die-boerse-modeerscheinung-oder-langfristiger-trend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2018\/05\/09\/aufspalten-fuer-die-boerse-modeerscheinung-oder-langfristiger-trend\/","title":{"rendered":"Aufspalten f\u00fcr die B\u00f6rse: Modeerscheinung oder langfristiger Trend?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8139\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8139\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-8139\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/files\/2018\/05\/Mayer_Zanner2c-168x116.png\" alt=\"\" width=\"168\" height=\"116\" \/><p id=\"caption-attachment-8139\" class=\"wp-caption-text\">RA Dr. Richard Mayer-Uellner \/ RA Dr. Andreas Zanner, beide Partner bei CMS Hasche Sigle<\/p><\/div>\n<p>Wer in den letzten Monaten die Wirtschaftsnachrichten verfolgt hat, k\u00f6nnte meinen, dass sich die meisten DAX-Konzerne in b\u00f6rsenf\u00e4hige Einzelteile zerlegen: zuletzt die Deutsche Bank mit ihrer Fondstochter DWS und Siemens mit der Medizintechniksparte Healthineers. In den Vorjahren hatten Metro mit dem Elektronikh\u00e4ndler Ceconomy, E.ON und RWE mit Uniper und Innogy sowie Bayer mit der Kunststoffsparte Covestro Konzernteile abgetrennt und an die B\u00f6rse gebracht. Weitere B\u00f6rsenaspiranten k\u00f6nnten folgen, etwa die \u00d6l- und Gassparte von BASF oder der Stahlbereich von ThyssenKrupp. Sogar im wichtigsten deutschen Industriezweig, der Autoindustrie, halten sich Ger\u00fcchte \u00fcber Ausgliederungen von LKW-Sparten und Aufspaltungen von Zuliefererkonzernen mit sp\u00e4terem B\u00f6rsengang.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ist der betreffende Bereich nicht schon in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst, muss er zun\u00e4chst vom Rest des Konzerns separiert werden (&#8222;Carve-out&#8220;). Ein daf\u00fcr oft genutztes Instrument ist die Ausgliederung, bei der das Anlage- und Umlaufverm\u00f6gen, die Vertr\u00e4ge und Mitarbeiter auf eine bestehende oder neu zu gr\u00fcndende Tochtergesellschaft \u00fcbertragen werden. In Ausnahmef\u00e4llen kann die Zustimmung der Hauptversammlung der \u00fcbertragenden Gesellschaft mit einer Mehrheit von 75 Prozent erforderlich sein. Deren Beschluss kann von Aktion\u00e4ren angefochten und damit verz\u00f6gert oder sogar aufgehoben werden. In der Tochter m\u00fcssen sodann fehlende Zentralfunktionen wie Controlling, Recht oder Investor Relations neu aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Beim anschlie\u00dfenden B\u00f6rsengang werden die Aktien der Tochter meist \u00f6ffentlich angeboten. Wie viele Aktien abgegeben werden, h\u00e4ngt von den kurz- und langfristigen Kurserwartungen sowie der letztlich angestrebten Beteiligungsh\u00f6he ab. Denkbar ist auch eine dauerhafte Kontrolle durch die Konzernmutter. Das l\u00e4sst sich erreichen, indem sie die Aktienmehrheit beh\u00e4lt, stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgibt oder die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) gew\u00e4hlt wird. Die KGaA kann von einer Managementgesellschaft geleitet werden, die dauerhaft von der Mutter beherrscht wird. Neben vielen Familienunternehmen wurde zuletzt die DWS als KGaA an die B\u00f6rse gebracht.<\/p>\n<p>Teilweise wird schon ein Abgesang auf Konglomerate angestimmt: Spezialisierte Unternehmen (sogenannte &#8222;Pure Plays&#8220;) seien fokussierter und agiler, k\u00f6nnten zielgenauer und schneller ihre Ressourcen allokieren, um die sie nicht mit anderen Konzernbereichen wetteifern m\u00fcssen, und k\u00f6nnten ihre eigenen Aktien f\u00fcr Unternehmensk\u00e4ufe oder zur Mitarbeitermotivation nutzen. Die Unternehmensleitung k\u00f6nne sich st\u00e4rker auf das operative Gesch\u00e4ft konzentrieren als die F\u00fchrung von Holding-Konzernen. In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks durch Globalisierung und digitale Gesch\u00e4ftsmodelle seien Flexibilit\u00e4t und auf das Kerngesch\u00e4ft fokussierte Einheiten gefordert. Aber m\u00fcssen diese Einheiten selbst b\u00f6rsennotiert sein? Auch Konzernteile k\u00f6nnen organisatorisch und rechtlich so verselbst\u00e4ndigt werden, dass sie viele dieser Ziele erreichen. Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte der Trend zur Aufl\u00f6sung von Konglomeraten noch weitere Gr\u00fcnde haben: Die jahrelange B\u00f6rsenhausse und die hohen Gewinnerwartungen erh\u00f6hen den Druck auf die Vorst\u00e4nde zu kurssteigernden Ma\u00dfnahmen. Oft sind es aktivistische Investoren, die \u2013 unter dem Renditedruck ihrer eigenen Geldgeber \u2013 Aktienr\u00fcckkaufprogramme, Sonderdividenden, die Trennung von unrentablen Bereichen oder die Aufl\u00f6sung von Konglomeratsstrukturen fordern.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Konzernvorstands gibt es gute Gr\u00fcnde sowohl f\u00fcr als auch gegen die Ausgliederung von Gesch\u00e4ftsbereichen mit anschlie\u00dfendem B\u00f6rsengang. Wichtig ist aber, Folgendes zu beachten: Der Vorstand ist verpflichtet, die Unternehmensstrategie laufend zu \u00fcberpr\u00fcfen, Alternativszenarien zu entwickeln und die Strategie bei Bedarf anzupassen \u2013 dazu geh\u00f6rt die Analyse, ob einzelne Gesch\u00e4ftsbereiche besser inner- oder au\u00dferhalb des Konzerns aufgehoben sind.<\/p>\n<p><strong>Redaktioneller Hinweis:<\/strong><\/p>\n<p>Vgl. zu diesem Thema auch Bungert\/Rogier, Der Carve-out von Unternehmensteilen in der gesellschaftsrechtlichen Praxis, <a href=\"https:\/\/der-betrieb.owlit.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=636613828293173136&amp;url=rn%3aroex%5e%5efile%3a%2f%2fR%7c%2f03%2f02%2f01%2fzsa%2fdb%2f50%2f9%2f509095ed5f09f509fc8a2bab98d0694b.xml&amp;ref=hitlist_hl\">DB 2017 S. 2977<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in den letzten Monaten die Wirtschaftsnachrichten verfolgt hat, k\u00f6nnte meinen, dass sich die meisten DAX-Konzerne in b\u00f6rsenf\u00e4hige Einzelteile zerlegen: zuletzt die Deutsche Bank mit ihrer Fondstochter DWS und Siemens mit der Medizintechniksparte Healthineers. In den Vorjahren hatten Metro mit &hellip; <a href=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2018\/05\/09\/aufspalten-fuer-die-boerse-modeerscheinung-oder-langfristiger-trend\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":304378,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,47413,47414],"tags":[47408,7146,47407],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8134"}],"collection":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/users\/304378"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8134"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8140,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8134\/revisions\/8140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}