{"id":8629,"date":"2020-02-17T17:20:17","date_gmt":"2020-02-17T16:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/?p=8629"},"modified":"2020-02-18T10:01:03","modified_gmt":"2020-02-18T09:01:03","slug":"green-finance-was-genau-gilt-als-nachhaltig-exkurs-zur-aktuellen-diskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2020\/02\/17\/green-finance-was-genau-gilt-als-nachhaltig-exkurs-zur-aktuellen-diskussion\/","title":{"rendered":"Green Finance: Was genau gilt als nachhaltig? \u2013 Exkurs zur aktuellen Diskussion"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8630\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8630\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-8630\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/files\/2020\/02\/Bild_Hagel\u00fcken_Neub\u00f6ck-440x165.jpg\" alt=\"\" width=\"268\" height=\"105\" \/><p id=\"caption-attachment-8630\" class=\"wp-caption-text\">RA Alexandra Hagel\u00fcken, Partnerin und Vice Chair des globalen Finance Departments \/ Peter Neub\u00f6ck, Associate, Latham &amp; Watkins<\/p><\/div>\n<p>Das gesteigerte gesellschaftliche Bewusstsein gegen\u00fcber einer nachhaltigeren Lebensweise macht auch vor der Finanzwelt keinen Halt. Green Bonds &amp; Co. gelten schon lange nicht mehr als esoterische Finanzprodukte, sondern bieten vielmehr attraktive M\u00f6glichkeiten, Investmentportfolios zu diversifizieren. Gr\u00fcne Finanzierungen befinden sich auf dem Vormarsch: Unternehmen widmen sich vermehrt dem Thema.<\/p>\n<p>Trotz dieser Entwicklung und der Vielzahl von nachhaltigen Finanzprodukten auf dem Markt stimmen Experten \u00fcberein, dass die generelle Frage \u2013 was genau gilt als nachhaltig und gr\u00fcn? \u2013 noch nicht vollst\u00e4ndig beantwortet und insbesondere nicht geregelt ist: Es fehlt das <em>rechtlich verbindliche Rahmenwerk<\/em><strong>,<\/strong> insbesondere eine einheitliche <em>Taxonomie<\/em> von gr\u00fcner bzw. nachhaltiger Finanzierung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Rechtliches Rahmenwerk: ein erster Schritt in Richtung eines koh\u00e4renten Definitionswerks<\/strong><\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Vorreiter auf regulatorischer Ebene ist die Europ\u00e4ische Union. Bereits 2018 hat die Kommission im Rahmen des <em>Sustainable Finance Actions Plans<\/em> einen Entwurf zu einer Verordnung \u00fcber die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen ver\u00f6ffentlicht. <em>Art. 3 der Verordnung<\/em> legt die entsprechenden Kriterien, wonach eine Wirtschaftst\u00e4tigkeit als \u00f6kologisch nachhaltig einzustufen ist, fest. Demnach gilt eine Wirtschaftst\u00e4tigkeit dann als nachhaltig, wenn sie u.a. mindestens eines der in der Verordnung definierten Umweltziele wesentlich f\u00f6rdert (wie z.B. Klimaschutz oder nachhaltige Nutzung von Wasser-\/Meeresressourcen) und keines der anderen erheblich beeintr\u00e4chtigt. Die Umweltziele werden in den Folgebestimmungen noch weiter definiert; delegierte Rechtsakte der EU-Kommission sollen technische Evaluierungskriterien festlegen. <em>Art. 15 <\/em>sieht \u00fcberdies die Einrichtung einer Expertenplattform f\u00fcr ein nachhaltiges Finanzwesen durch die Europ\u00e4ische Kommission vor, die diese hinsichtlich der technischen Evaluierungskriterien beraten soll. Durch die Verordnung sollen auch Offenlegungspflichten f\u00fcr Verm\u00f6gensverwalter und institutionelle Investoren vorgesehen werden, die \u00f6kologisch nachhaltige Investitionen anbieten.<\/p>\n<p>Vergangenes Jahr hat eine von der Kommission einberufene Expert Group on Sustainable Finance einen Bericht zu einem <em>\u201e<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/info\/sites\/info\/files\/business_economy_euro\/banking_and_finance\/documents\/190618-sustainable-finance-teg-report-green-bond-standard_en.pdf\">EU Green Bond Standard<\/a>\u201c<\/em> ver\u00f6ffentlicht, der die Einrichtung eines freiwilligen und unverbindlichen EU-weiten Green Bond Standards fordert, um die Effektivit\u00e4t, Transparenz, Vergleichbarkeit und Glaubhaftigkeit eines Green-Bond-Markts zu st\u00e4rken und zudem zu verst\u00e4rkten Investments in Green Bonds ermutigen soll. Der Green Bond Standard w\u00fcrde ebenso am Katalog \u00f6kologisch nachhaltiger T\u00e4tigkeiten angelehnt sein, w\u00e4re (vorerst) allerdings ebenso unverbindlich.<\/p>\n<p><strong>ESG-Ratings als Indikator f\u00fcr Nachhaltigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Das gesteigerte Nachhaltigkeitsbewusstsein auf Investorenseite f\u00fchrt in weiterer Folge dazu, dass Anleger immer st\u00e4rker daran interessiert sind, Fonds auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsperformance zu bewerten und miteinander zu vergleichen \u2013 ESG-Ratings (Environment, Social und Governance-Bewertungen) sind mittlerweile en vogue.<\/p>\n<p>Im Rahmen der ESG-Ratings werden Unternehmen anhand diverser softer Faktoren bewertet. Dies k\u00f6nnen, wie der Name bereits vermuten l\u00e4sst, bestimmte Nachhaltigkeits-KPIs sein, aber auch Corporate-Governance-Aspekte wie z.B. die Frauenquote in F\u00fchrungsetagen. ESG-Ratings f\u00fcr Unternehmen werden aktuell von spezialisierten Nachhaltigkeitsagenturen durchgef\u00fchrt. Viele dieser Agenturen haben sich bereits etablieren k\u00f6nnen \u2013 Unternehmen gro\u00dfer Indices werden mittlerweile automatisch von diesen bewertet und k\u00f6nnen diese f\u00fcr die Ansprache von Investoren nutzen.<\/p>\n<p>Doch seit Kurzem dr\u00e4ngen auch die klassischen Ratingagenturen in den ESG-Rating-Sektor vor. ESG-Ratings im engeren Sinne f\u00fchren sie zwar noch nicht durch, jedoch beziehen sie immer st\u00e4rker auch ESG-Kriterien in ihre Bewertung der Kreditw\u00fcrdigkeit mit ein. Es bleibt abzuwarten, ob die Rating-Agenturen auch das Feld der ESG-Ratings zur G\u00e4nze f\u00fcr sich beanspruchen und die Nachhaltigkeitsagenturen verdr\u00e4ngen werden.<\/p>\n<p>Letzten Endes f\u00fchrt aber auch das Thema ESG-Rating zur oben genannten Problematik zur\u00fcck. Mangels rechtlichen Rahmenwerks ist das ESG-Rating letztlich davon abh\u00e4ngig, wer dieses erstellt und auf Basis welcher Kriterien. Um die n\u00f6tige Vergleichbarkeit und zugleich auch Rechtssicherheit herzustellen, bedarf es allerdings eines einheitlichen rechtlichen Rahmenwerks, insbesondere in puncto Taxonomie und Bewertungskriterien. Denn das Verst\u00e4ndnis, was letzten Endes tats\u00e4chlich als \u201egr\u00fcn\u201c einzustufen ist, basiert noch nicht auf objektivierbaren Kriterien.<\/p>\n<p>Die erh\u00f6hte Nachfrage in Sachen nachhaltige Finanzinstrumente wird den Druck auf Politik und Regulatoren weiter erh\u00f6hen. So hat die Europ\u00e4ische Wertpapier- und Marktaufsichtsbeh\u00f6rde (ESMA) am 06.02.2020 ihre \u201e<a href=\"https:\/\/www.esma.europa.eu\/press-news\/esma-news\/esma-sets-out-its-strategy-sustainable-finance\">Sustainable Finance Strategy<\/a>\u201c ver\u00f6ffentlicht, deren Priorit\u00e4ten insbesondere auf einheitliche Regelungsmechanismen sowie Wettbewerbsbedingungen abzielen \u2013 nun soll auch nachhaltige Finanzierung ihren Niederschlag in einem Regelhandbuch finden, das die Aufsichtspraxis vereinheitlicht und technische Regulierungsstandards im ESG-Bereich implementiert, insbesondere auch in puncto der Bonit\u00e4tsrankings.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gesteigerte gesellschaftliche Bewusstsein gegen\u00fcber einer nachhaltigeren Lebensweise macht auch vor der Finanzwelt keinen Halt. 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