{"id":9092,"date":"2022-02-24T17:17:53","date_gmt":"2022-02-24T16:17:53","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/?p=9092"},"modified":"2022-02-24T17:23:24","modified_gmt":"2022-02-24T16:23:24","slug":"eu-richtlinienvorschlag-zu-sorgfaltspflichten-in-der-wertschoepfungskette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/2022\/02\/24\/eu-richtlinienvorschlag-zu-sorgfaltspflichten-in-der-wertschoepfungskette\/","title":{"rendered":"EU-Richtlinienvorschlag zu Sorgfaltspflichten in der Wertsch\u00f6pfungskette"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_9093\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9093\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-9093\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/rechtsboard\/files\/2022\/02\/Ritz_Graeler-440x239.png\" alt=\"\" width=\"244\" height=\"136\" \/><p id=\"caption-attachment-9093\" class=\"wp-caption-text\">RA Christian Ritz, LL.M. (USYD), Partner \/ RA Dr. Sebastian Gr\u00e4ler, Counsel, beide Compliance &amp; Investigations, Hogan Lovells<\/p><\/div>\n<p>Die zuk\u00fcnftigen Anforderungen an die Einhaltung umfassender Sorgfaltspflichten in der Lieferkette haben sich nochmals erheblich versch\u00e4rft. Der gestern ver\u00f6ffentlichte Vorschlag der EU Kommission f\u00fcr eine Richtlinie zur &#8222;<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/info\/sites\/default\/files\/1_1_183885_prop_dir_susta_en.pdf\">Corporate Sustainability Due Diligence<\/a>&#8220; samt <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/info\/sites\/default\/files\/1_2_183888_annex_dir_susta_en.pdf\">Annex<\/a> (&#8222;RL-Entwurf&#8220;) geht gr\u00f6\u00dftenteils deutlich \u00fcber das deutsche Lieferkettengesetz (&#8222;LkSG&#8220;) hinaus. Unternehmen, die sich derzeit bereits in der Entwicklung und Implementierung von Compliance-Richtlinie und -Prozessen zur Umsetzung der sich stetig fortentwickelnden ESG-Vorgaben befinden, sollten dies ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Deutlich erweiterter Adressatenbereich<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Nach dem RL-Entwurf sollen bereits Unternehmen ab 500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von EUR 150 Mio. erfasst sein. Zudem sollen in &#8222;risikoreichen&#8220; Wirtschaftszweigen die Schwellenwerte bei 250 Mitarbeitern und einem Umsatz von EUR 40 Mio. liegen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Umfassende Sorgfaltspflichten erfordern Compliance-Uplift<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Kernelement des RL-Entwurfs ist ein breiter Katalog an Sorgfaltspflichten in der Wertsch\u00f6pfungskette sowie die sich daraus ergebende Verpflichtung zur Implementierung eines umfassenden Risikomanagementsystems.<\/li>\n<li>Unternehmen m\u00fcssen alle angemessenen Ma\u00dfnahmen ergreifen, um nachteilige Auswirkungen f\u00fcr Menschenrechte und Umwelt in ihrer Wertsch\u00f6pfungskette zu verhindern oder zu mindern.<\/li>\n<li>Die Wertsch\u00f6pfungskette wird im Vergleich zu der Lieferkette im LkSG deutlich weiter definiert. Insbesondere ist kein Konzept abgestufter Verantwortlichkeiten entlang der Lieferkette vorgesehen.<\/li>\n<li>Als Ma\u00dfnahme gegen den Klimawandel m\u00fcssen Gesch\u00e4ftsmodell und Unternehmensstrategie mit dem 1,5 Grad-Ziel des Pariser Abkommens vereinbar seien. Die Einhaltung soll unter bestimmen Umst\u00e4nden auch bei der Verg\u00fctung der Unternehmensleitung ber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<li>Unternehmen sind verpflichtet, angemessene Pr\u00e4ventionsmechanismen zu verankern, um nachteiligen Auswirkungen vorzubeugen. Zudem ist ein effektives Beschwerdeverfahren vorzusehen.<\/li>\n<li>Nachteilige Auswirkungen m\u00fcssen beendet oder jedenfalls minimiert werden. Dies kann auch Entsch\u00e4digungsleistungen an betroffene Personen zum Ausgleich erlittener Sch\u00e4den einschlie\u00dfen.<\/li>\n<li>Vorst\u00e4nde und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sollen zuk\u00fcnftig die kurz- und langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen f\u00fcr Menschenrechts-, Klima- und Umweltschutzbelange ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Sanktionen und zivilrechtliche Haftung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Verst\u00f6\u00dfe gegen die jeweiligen nationalen Umsetzungsvorschriften der Richtlinie m\u00fcssen sanktioniert. Bu\u00dfgelder sollen diese an den Unternehmensumsatz ankn\u00fcpfen.<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzlich verlangt der RL-Entwurf explizit die Umsetzung von Vorgaben zur zivilrechtlichen Haftung von Unternehmen in das nationale Recht. Dies ist eine deutliche Versch\u00e4rfung zum LkSG.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Tritt die Richtlinie in der aktuellen Form in Kraft, wird die Einhaltung der Vorgaben f\u00fcr viele Unternehmen erheblich gesteigerte Due Diligence Anforderungen in ihrer Wertsch\u00f6pfungskette bedeuten. Dem werden Unternehmen nur mit einer sorgf\u00e4ltigen Analyse ihrer Compliance Management Systeme sowie der Anpassung und Implementierung geeigneter Compliance-Richtlinien und -Prozessen begegnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die D\u00e4mmerung eines eigenst\u00e4ndigen zivilrechtlichen Haftungsregimes f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe gegen menschenrechts- und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten am Horizont wird einer angemessenen und wirksamen Compliance-seitigen Umsetzung bis hinauf in die Vorstandsetagen weitere Bedeutung verleihen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zuk\u00fcnftigen Anforderungen an die Einhaltung umfassender Sorgfaltspflichten in der Lieferkette haben sich nochmals erheblich versch\u00e4rft. 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