{"id":2780,"date":"2011-05-09T09:14:09","date_gmt":"2011-05-09T08:14:09","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/?p=2780"},"modified":"2011-05-09T13:43:51","modified_gmt":"2011-05-09T12:43:51","slug":"haftungsvergutung-unterliegt-der-umsatzsteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2011\/05\/09\/haftungsvergutung-unterliegt-der-umsatzsteuer\/","title":{"rendered":"Haftungsverg\u00fctung unterliegt der Umsatzsteuer"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2786\" style=\"width: 138px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a rel=\"attachment wp-att-2786\" href=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2011\/05\/09\/haftungsvergutung-unterliegt-der-umsatzsteuer\/forster\/\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2786\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-2786\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2011\/05\/Forster-128x168.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2011\/05\/Forster-128x168.jpg 128w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2011\/05\/Forster.jpg 173w\" sizes=\"(max-width: 128px) 100vw, 128px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2786\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Eduard Forster, Partner bei Deloitte, M\u00fcnchen<\/p><\/div>\n<p>Im Urteil vom 3. 3. 2011 (V R 24\/10, <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,416949,\" target=\"_blank\">DB 2011 S.\u00a01029<\/a>) hat der BFH jetzt klargestellt, dass Haftungsverg\u00fctungen, die von Personen\u00adgesellschaften an Gesellschafter gezahlt werden, umsatzsteuerpflichtig sind. Im Gefolge einer Rechtsprechungs\u00ad\u00e4nderung durch den BFH aus dem Jahre 2002, wonach die Aus\u00fcbung von Mitgliedschaftsrechten in Bezug auf eine Personengesellschaft nicht per se von der Umsatzbesteuerung ausgenommen ist, hat sich die Finanzverwaltung zur umsatzsteuerlichen Behandlung der Haftungs\u00fcbernahme ge\u00e4u\u00dfert, die von Anfang an kontrovers diskutiert wurde.<\/p>\n<p><!--more-->Die vom BMF in den Schreiben vom 23. 12. 2003 (<a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,33005,\" target=\"_blank\">DB 2004 S. 37<\/a>) bzw. vom 31. 5. 2007 (<a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,219238,\" target=\"_blank\">DB 2007 S.\u00a01276<\/a>) vertretenen Ansichten waren im Hinblick darauf umstritten, inwieweit Haftungsverg\u00fctungen<\/p>\n<ul>\n<li>zum einen tats\u00e4chlich nicht im Rahmen eines eigenen Leistungsaustauschverh\u00e4ltnisses erbracht werden, weil aus dem Gesellschafterstatus als solchem sich unabdingbar ergebende Rechtsfolgen keine Leistung darstellen sollen, und<\/li>\n<li>zum anderen als zus\u00e4tzliches Entgelt f\u00fcr eine einheitliche Leistung anzusehen seien, wenn daneben steuerbare Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungs- und Vertretungsleistungen erbracht werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Demgegen\u00fcber sahen die Finanzgerichte (FG Niedersachsen, Urteil vom 25. 2. 2010 &#8211; 16-K-347\/09, rkr. ; FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 6. 5. 2010 &#8211; 7-K-7183\/06-B, <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,391372,\" target=\"_blank\">DB 2010 S. 12<\/a>, das jetzt vom BFH entschieden wurde) die pers\u00f6nliche Haftung und die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung umsatzsteuerlich als zwei getrennte Vorg\u00e4nge an. Umstritten war im Rahmen der Haftung lediglich, ob die Haftungs\u00fcbernahme wegen der Unabdingbarkeit ein nicht steuerbarer Vorgang ist, eine im Grundsatz steuerpflichtige Leistung darstellt (wobei mit Blick auf die niedrigen Haftungspauschalen i. d. R. die Kleinunternehmerregelung nach \u00a7 19 UStG greift), oder sogar als eine nach \u00a7\u00a04 Nr. 8 Buchst. g UStG steuerbefreite Leistung zu sehen ist.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Diskussionen um die umsatzsteuerliche Behandlung der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungs- und Vertretungs\u00adleistungen eines Gesellschafters gegen Entgelt war das BFH-Urteil vom 6. 6. 2002 (V R 43\/01, BStBl. II 2003 S. 36 = <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,14633,\" target=\"_blank\">DB 2002 S. 1757<\/a>). Mit diesem Urteil hat der BFH seine bisherige Rechtsprechung (BFH vom 17. 7. 1980 &#8211; V R 5\/72, BStBl. II 1980 S. 622 = DB 1981 S. 56) ge\u00e4ndert, nach der die Aus\u00fcbung der Mitgliedschaftsrechte nicht nur bei Vorliegen eines gewinnabh\u00e4ngigen Entgelts, sondern auch bei einer gewinnunabh\u00e4ngigen Verg\u00fctung (Sonderentgelt) keine steuerbare Leistung eines Gesell\u00adschafters an die Gesellschaft darstellt (sog. \u201eOrganwalterurteil\u201c).<\/p>\n<p>Unter Aufgabe des f\u00fcr die Besteuerung von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsleistungen entwickelten Sonderrechts setze ein Leistungsaustausch lediglich voraus, dass ein Leistender und ein Leistungsempf\u00e4nger vorhanden sind und der Leistung eine Gegenleistung gegen\u00fcbersteht, also ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Leistung und Gegenleistung besteht. Ob der Gesellschafter bei der F\u00fchrung der Gesch\u00e4fte einer Personengesellschaft zugleich auch Mitgliedschaftsrechte aus\u00fcbt, ist mithin nicht erheblich, wenn er daf\u00fcr ein Entgelt erh\u00e4lt. Dies gelte insbesondere dann, wenn es sich nicht lediglich um eine Gewinn- oder Verlustbeteiligung handelt.<\/p>\n<p>Im aktuell entschiedenen Fall ging es um die Klage eines Komplement\u00e4rs, der bei mehreren nicht zum Vorsteuer\u00adabzug berechtigten Immobilienfonds in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft (KG) gesch\u00e4ftsf\u00fchrungs- und vertretungsbefugt war sowie aufgrund des Gesellschaftsverh\u00e4ltnisses f\u00fcr die Verbindlichkeiten der Fonds pers\u00f6nlich zu haften hatte. Nach den Gesellschaftsvertr\u00e4gen erhielt der Komplement\u00e4r f\u00fcr die Haftungs\u00fcbernahme jeweils gesondert vereinbarte Festverg\u00fctungen, f\u00fcr die er die Steuerbefreiung des \u00a7 4 Nr.\u00a08 Buchst. g UStG (\u00dcbernahme von Verbindlichkeiten, B\u00fcrgschaften und anderen Sicherheiten) begehrte.<\/p>\n<p>Angesichts des BFH-Urteils aus 2002 (V R 43\/01, BStBl. II 2003 S. 36 = <a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,14633,\" target=\"_blank\">DB 2002 S. 1757<\/a>) \u00fcberrascht es nicht, dass der BFH hinsichtlich der \u00dcbernahme der Haftung gegen eine Festverg\u00fctung von einem Leistungsaustausch ausgeht. Etwas verwunderlich ist nach dem Urteil V R 24\/10 (<a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,416949,\" target=\"_blank\">DB 2011 S.\u00a01029<\/a>) des V.\u00a0Senats des BFH einerseits zwar, dass die Haftung des gesch\u00e4ftsf\u00fchrungs- und vertretungsberech\u00adtigten Komplement\u00e4rs nur Teil einer einheitlichen Leistung sein soll, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Vertretung und Haftung umfasst. Andererseits aber ist vor dem Hintergrund der EuGH-Vorgaben wiederum evident, dass die Leistung umsatzsteuer\u00adpflichtig ist, weil eine Steuerfreiheit nach \u00a7 4 Nr. 8 Buchst. g UStG nur in Betracht kommt, wenn f\u00fcr Geldverbindlich\u00adkeiten eingestanden werden soll, nicht aber wenn es um eine Einstandspflicht f\u00fcr Sachleistungsverpflichtungen geht.<\/p>\n<p>Das Urteil hat grunds\u00e4tzlich Auswirkungen f\u00fcr alle Personengesellschaften, die ihren gesch\u00e4ftsf\u00fchrungs- und vertretungsbefugten Gesellschaftern gewinnunabh\u00e4ngige Haftungsverg\u00fctungen zahlen (wegen der ordnungsgem\u00e4\u00dfen Rechnungsstellung in formaler Hinsicht), aber haupts\u00e4chlich (in materieller Hinsicht) f\u00fcr nicht zum Vorsteuerabzug berechtigte Personengesellschaften bzw. Immobilienfonds und f\u00fcr deren Gesellschafter bzw. Initiatoren. In diesen Konstellationen m\u00fcsste zuk\u00fcnftig die M\u00f6glichkeit einer gewinnabh\u00e4ngigen und mithin nicht umsatzsteuerbaren Haftungsverg\u00fctung in Erw\u00e4gung gezogen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Urteil vom 3. 3. 2011 (V R 24\/10, DB 2011 S.\u00a01029) hat der BFH jetzt klargestellt, dass Haftungsverg\u00fctungen, die von Personen\u00adgesellschaften an Gesellschafter gezahlt werden, umsatzsteuerpflichtig sind. 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