{"id":5428,"date":"2013-01-23T16:38:35","date_gmt":"2013-01-23T14:38:35","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/?p=5428"},"modified":"2013-01-23T16:38:35","modified_gmt":"2013-01-23T14:38:35","slug":"die-begehrlichkeit-kennt-keine-schranke-aber-die-zinsschranke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2013\/01\/23\/die-begehrlichkeit-kennt-keine-schranke-aber-die-zinsschranke\/","title":{"rendered":"Die Begehrlichkeit kennt keine Schranke, aber die Zinsschranke"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_3130\" style=\"width: 136px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2011\/07\/13\/der-us-amerikanische-foreign-account-tax-compliance-act-fatca\/p-dorfmueller\/\" rel=\"attachment wp-att-3130\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3130\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-3130\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2011\/07\/P-Dorfmueller-126x168.jpg\" alt=\"\" width=\"126\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2011\/07\/P-Dorfmueller-126x168.jpg 126w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2011\/07\/P-Dorfmueller.jpg 255w\" sizes=\"(max-width: 126px) 100vw, 126px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3130\" class=\"wp-caption-text\">StB Dr. Pia Dorfmueller, Partner bei P+P P\u00f6llath + Partners, Frankfurt<\/p><\/div>\n<p>Frei nach dem r\u00f6mischen Dichter und Philosoph Seneca kann mit Blick auf die seit gut f\u00fcnf Jahren anzuwendende Zinsschranke (\u00a7\u00a7 4h EStG, 8a KStG) festgestellt werden, dass die Begehrlichkeiten der Finanzverwaltung erheblich sind. Das f\u00fcnfj\u00e4hrige Jubil\u00e4um ist Anlass, mal zur\u00fcckzuschauen.<\/p>\n<p>Die Finanzverwaltung hat sehr z\u00fcgig mit dem BMF-Schreiben vom 4. 7. 2008 (IV C 7 \u2013 S 2742-a\/07\/10001 [2008\/0336202],<strong> <\/strong>BStBl. I 2008 S. 718) Erl\u00e4uterungen zur Zinsschranke gegeben. Dem Vernehmen nach sollte ein weiteres BMF-Schreiben zur Escapeklausel des Eigenkapitalvergleichs (\u00a7\u00a7\u00a04h Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Buchst.\u00a0c EStG, 8a Abs. 3 KStG) ergehen. Dies ist bislang noch nicht erfolgt.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Gerichtliche Auseinandersetzungen<\/strong><\/p>\n<p>Vielmehr hat die Zinsschranke seit 2010 schon die ersten Finanzgerichte besch\u00e4ftigt. In f\u00fcnf Verfahren wurde \u00fcber die Themen Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit, Konzernbegriff i. S. des \u00a7\u00a04h Abs.\u00a03 Satz\u00a06 EStG, Verpf\u00e4ndung von Gesellschaftsanteilen als Anwendungsfall des \u00a7 8a Abs.\u00a03 KStG und R\u00fcckausnahme des \u00a7\u00a08a Abs.\u00a03 Satz\u00a01 KStG gestritten (eine Zusammenstellung der f\u00fcnf Finanzgerichtsverfahren findet sich bei T\u00f6ben, Steuerboard vom 29. 2. 2012, <a title=\"DB0467591\" href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,467591,\">DB0467591<\/a>).<\/p>\n<p>Die einzige h\u00f6chstrichterliche Befassung mit der Zinsschranke findet sich \u2013 soweit ersichtlich \u2013 im Beschluss des 1. Senats vom 13. 3. 2012 (I B 111\/11, BStBl. II 2012 S. 611 =<a title=\"DB 2012 S. 1071\" href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,474321,\"> DB 2012 S. 1071<\/a>). Danach ist in Erledigung der Beschwerde gegen den Beschluss des FG M\u00fcnchen vom 1.\u00a06. 2011 (7 V 822\/11, EFG\u00a02011 S. 1830) ernstlich zweifelhaft, ob die typisierende R\u00fcckausnahme des \u00a7\u00a08a Abs. 2 Alt.\u00a03 KStG \u201einsoweit verfassungsrechtlichen Anforderungen standh\u00e4lt, als dadurch nicht nur sog. Back-to-back-Finanzierungen, sondern auch \u00fcbliche Fremdfinanzierungen von Kapitalgesellschaften bei Banken erfasst \u2026 werden.\u201c Nach \u00a7\u00a08a Abs.\u00a02 Alt.\u00a03 KStG liegt eine sch\u00e4dliche Gesellschafterfremdfinanzierung nicht nur dann vor, wenn eine direkte Vergabe von Darlehen durch einen Gesellschafter an eine Kapitalgesellschaft erfolgt, sondern auch dann, wenn ein Dritter (z. B. Bank) ein Darlehen an die Gesellschaft ausgibt und die Bank R\u00fcckgriff (vgl. zur Definition BMF-Schreiben vom 4. 7. 2008, a.a.O., Tz.\u00a083) auf den Gesellschafter z. B. durch eine B\u00fcrgschaft oder eine andere Sicherheit nehmen kann.<\/p>\n<p>Im zugrunde liegenden Fall konnte die kreditgew\u00e4hrende Bank aufgrund von B\u00fcrgschaften von mehr als 10% der die Zinsertr\u00e4ge \u00fcbersteigenden Zinsaufwendungen R\u00fcckgriff nehmen. Demzufolge gew\u00e4hren einige Finanzbeh\u00f6rden eine Aussetzung der Vollziehung in R\u00fcckgriffsf\u00e4llen, in denen keine Back-to-back-Finanzierung vorliegt (z. B. OFD M\u00fcnster, Verf\u00fcgung vom 26.\u00a011. 2012 \u2013 S 2742a \u2013 246 \u2013 St 13 \u2013 33, BeckVerw 266651).<\/p>\n<p><strong>Neue Verwaltungsanweisungen<\/strong><\/p>\n<p>Im Nachgang zum BMF-Schreiben vom 4. 7. 2008 sind einige Schreiben und Verf\u00fcgungen von Landesfinanzverwaltungen ergangen, die in einigen Bereichen (Er-)Kl\u00e4rung bringen. Die meisten dieser Informationen beziehen sich auf die Feststellung des EBITDA-Vortrags nach \u00a7\u00a04h Abs.\u00a04 EStG (z. B. OFD Niedersachsen, Verf\u00fcgung vom 21.\u00a09. 2012 \u2013 S 2742a \u2013 31 \u2013 St 241, StEd 2012 S. 749; FinMin. Schleswig-Holstein, Kurzinformation KSt 2012 Nr.9 vom 10. 8. 2012, DStR\u00a02012 S. 1755; OFD Frankfurt\/M., Verf\u00fcgung vom 17. 7. 2012 \u2013 S 2742a A \u2013 4 \u2013 St 51, <a title=\"DB 2012 S. 1779\" href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,484008,\">DB 2012 S. 1779<\/a> = DStR\u00a02012 S. 1660).<\/p>\n<p>Eine Verwaltungsanweisung, die besonders hervorzuheben ist, ist die Kurzinformation KSt 2012 Nr. 7 des FinMin. Schleswig-Holstein vom 27. 1. 2012 (DStR\u00a02012 S. 1555). Das FinMin. antwortet darin auf die Frage, wie zu verfahren ist, wenn es unterj\u00e4hrig zu einem Ereignis, z. B. Anteilserwerb nach \u00a7\u00a08c KStG (\u00a7\u00a7\u00a04h Abs.\u00a05 Satz\u00a03 EStG, 8a Abs.\u00a01 Satz\u00a03 KStG), bei einer Kapitalgesellschaft kommt, welches nach \u00a7\u00a04h Abs.\u00a05 EStG zum Wegfall eines Zins- bzw. EBITDA-Vortrags f\u00fchrt. Danach kommt es bei unterj\u00e4hrigem Eintritt eines sch\u00e4dlichen Ereignisses zum Wegfall eines zum Ende des vorangegangenen Wirtschaftsjahres festgestellten Zinsvortrags bzw. EBITDA-Vortrags, d. h. diese stehen f\u00fcr die Gewinnermittlung dieses Wirtschaftsjahres nicht mehr \u2013 auch nicht anteilig \u2013 bis zum sch\u00e4dlichen Ereignis zur Verf\u00fcgung. Laufende Zinsaufwendungen und das laufende verrechenbare EBITDA des Wirtschaftsjahres, in dem das sch\u00e4dliche Ereignis eintritt, sollen vollst\u00e4ndig erhalten bleiben. Die gegen\u00fcber \u00a7\u00a08c KStG abweichende Handhabung (BMF-Schreiben vom 4. 7. 2008 \u2013 IV C 7 &#8211; S 2745-a\/08\/10001 [2008\/0349554]<strong>,<\/strong> BStBl.\u00a0I 2008 S. 736 = DB 2008 S. 1598, Tz. 31; a. A. BFH-Urteil vom 30. 11. 2011 \u2013 I R 14\/11, BStBl. II 2012 S. 360 = <a title=\"DB 2012 S. 494\" href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,467588,\">DB 2012 S. 494<\/a>) folgt nach Auffassung des FinMin. aus der abweichenden Formulierung des \u00a7\u00a08c Abs.\u00a01 KStG, wonach auf nicht genutzte Verluste und nicht auf (festgestellte) Verluste abgestellt wird. Dies ist zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Es zeigt sich, dass zum 5. Geburtstag der Zinsschranke nur einige wenige Anwendungsfragen gekl\u00e4rt sind, aber sich die Gerichte und Finanzverwaltungen zunehmend mit dieser Norm besch\u00e4ftigen (m\u00fcssen). Es scheint sicher, dass auch bis zum 2 x 5. Geburtstag nicht alle dringlichen Fragen gekl\u00e4rt sein werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Finanzverwaltung zu den Escapeklauseln zeitnah abgestimmt Stellung nimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frei nach dem r\u00f6mischen Dichter und Philosoph Seneca kann mit Blick auf die seit gut f\u00fcnf Jahren anzuwendende Zinsschranke (\u00a7\u00a7 4h EStG, 8a KStG) festgestellt werden, dass die Begehrlichkeiten der Finanzverwaltung erheblich sind. 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