{"id":6986,"date":"2014-09-01T21:02:33","date_gmt":"2014-09-01T19:02:33","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/?p=6986"},"modified":"2014-09-01T21:02:33","modified_gmt":"2014-09-01T19:02:33","slug":"aufwendungen-fur-verfallene-optionsrechte-sind-werbungskosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2014\/09\/01\/aufwendungen-fur-verfallene-optionsrechte-sind-werbungskosten\/","title":{"rendered":"Aufwendungen f\u00fcr verfallene Optionsrechte sind Werbungskosten"},"content":{"rendered":"<dl class=\"wp-caption alignleft\" id=\"attachment_4971\" style=\"width: 178px\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2012\/07\/Hick_Christian.jpeg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-4971\" alt=\"StB Dipl.-Kfm. Dr. Christian Hick, Partner bei FGS Flick Gocke Schaumburg, Bonn\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2012\/07\/Hick_Christian-168x112.jpeg\" width=\"168\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2012\/07\/Hick_Christian-168x112.jpeg 168w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2012\/07\/Hick_Christian-440x293.jpeg 440w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2012\/07\/Hick_Christian-755x503.jpeg 755w\" sizes=\"(max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><\/a><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">StB Dipl.-Kfm. Dr. Christian Hick, Partner bei FGS Flick Gocke Schaumburg, Bonn<\/dd>\n<\/dl>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Die einkommensteuerrechtliche Behandlung von Optionsgesch\u00e4ften im Privatverm\u00f6gen stellt sich als stete Quelle finanzgerichtlicher Auseinandersetzungen dar. Der am 27.06.2014 (1 K 3740\/13 E) vom FG D\u00fcsseldorf entschiedene Fall verdeutlicht, dass sich hieran auch in dem System der Abgeltungsteuer nichts ge\u00e4ndert hat. Die Bedeutung der Entscheidung besteht darin, dass erstmals ein Finanzgericht f\u00fcr die im System der Abgeltungsteuer ab dem 01.01.2009 geltende Rechtslage die Abzugsf\u00e4higkeit der Aufwendungen f\u00fcr verfallene Optionen als Werbungskosten best\u00e4tigt hat. <!--more--><\/span><\/p>\n<p><b><strong><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Sachverhalt<\/span><\/strong><\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Gegenstand der Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf bildet die steuerliche Ber\u00fccksichtigung der Aufwendungen f\u00fcr sog. verfallene Optionsrechte. Der Steuerpflichtige hatte im Streitjahr 2010 von einer deutschen Gesch\u00e4ftsbank emittierte Put-Optionen auf den Dax-Index mit einer Laufzeit bis zum 15.12.2010 erworben. Aufgrund \u201eung\u00fcnstiger\u201c Entwicklung des Dax-Index \u00fcbte der Steuerpflichtige die Optionen nicht aus, sodass sie am 15.12.2010 verfielen. Damit erlitt er einen (wirtschaftlichen) Verlust in H\u00f6he der Anschaffungskosten der Optionen (zzgl. Kosten). Diesen Verlust behandelte der Steuerpflichtige im Rahmen seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung als Werbungskosten. Das Finanzamt vertrat die Auffassung, bei den Aufwendungen f\u00fcr die verfallenen Optionen handele es sich um einkommensteuerrechtlich unbeachtliche Aufwendungen auf der privaten Verm\u00f6gensebene, eine Ber\u00fccksichtigung als Werbungskosten bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen komme daher nicht in Betracht. <\/span><\/p>\n<p><b><strong><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Termingesch\u00e4fte, bei denen die Durchf\u00fchrung des Basisgesch\u00e4fts ausgeschlossen ist<\/span><\/strong><\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">F\u00fcr die steuerliche Einstufung der im Streitfall get\u00e4tigten Optionsgesch\u00e4fte ist zu beachten, dass der Erwerber einer Put-Option (Optionsnehmer) gegen Zahlung der Optionspr\u00e4mie das Recht erwirbt, am Ende der Laufzeit der Option an den Verk\u00e4ufer der Option (Stillhalter) eine bestimmte Menge eines Bezugsobjektes (z.B. Aktien) zu einem festgelegten Optionspreis zu verkaufen. Es liegt ein sog. bedingtes Termingesch\u00e4ft vor, da der Optionsnehmer zur Durchf\u00fchrung des Basisgesch\u00e4fts nicht verpflichtet ist. Die einkommensteuerrechtliche Behandlung des Termingesch\u00e4fts h\u00e4ngt dann davon ab, ob das dem Optionsgesch\u00e4ft zugrundeliegende Basisgesch\u00e4ft tats\u00e4chlich durchf\u00fchrbar ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Zu den von \u00a7\u00a020 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a EStG erfassten Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen z\u00e4hlt der Gewinn bei \u201eTermingesch\u00e4ften\u201c, durch die der Steuerpflichtige einen Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer ver\u00e4nderlichen Bezugsgr\u00f6\u00dfe bestimmten Geldbetrag oder Vorteil erlangt. Durch die Vorschrift werden solche Termingesch\u00e4fte der Besteuerung unterworfen, bei denen die Durchf\u00fchrung des Basisgesch\u00e4fts ausgeschlossen ist. Dies trifft auf die von dem Steuerpflichtigen get\u00e4tigten Gesch\u00e4fte zu, da sich erworbenen Optionen auf den Dax-Index dadurch auszeichnen, dass eine effektive Abnahme bzw. Lieferung eines Basiswerts ausgeschlossen ist. Das Schlie\u00dfen der Option erfolgt daher mit Ablauf der Optionsfrist durch Verfall oder durch Aus\u00fcbung der Option. Im Fall der Aus\u00fcbung der Option wandelt sich die Abnahmeverpflichtung des Stillhalters in einen Barausgleich in H\u00f6he der Differenz zwischen dem Kaufpreis des Optionsrechts und dem Wert des Basisgesch\u00e4fts bei F\u00e4lligkeit des Vertrages. Dieser Barausgleich ist der von \u00a7\u00a020 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a EStG geforderte Differenzausgleich. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Der Steuerpflichtige hatte das Recht aus seinen Optionsscheinen bis zum Ende der Laufzeit nicht ausge\u00fcbt, weil der Dax-Index zu diesem Zeitpunkt \u00fcber 5.500 Punkte gestiegen war und sich daher kein positiver Differenzbetrag ergeben h\u00e4tte. Ausgehend von der bereits zur Vorg\u00e4ngervorschrift \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG a.F. vertretenen Rechtsauffassung war die Finanzverwaltung der Ansicht, dass das verfallen lassen der (wertlosen) Optionsrechte nicht die Voraussetzungen eines Beendigungstatbestandes i.S.d. \u00a7\u00a020 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a EStG erf\u00fcllt, da der Optionsnehmer keinen Differenzausgleich i.S.d. Vorschrift erlangt. <\/span><\/p>\n<p><b><strong><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Verfallen lassen wertloser Optionsrechte<\/span><\/strong><\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Der BFH ist in seiner Entscheidung vom 29.09.2012 (IX R 50\/09, <\/span><a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,529571,\"><span style=\"text-decoration: underline\"><span style=\"color: #0000ff;font-family: Calibri;font-size: medium\">DB\u00a02012 S. 2611<\/span><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">) zur Vorg\u00e4ngerregelung (\u00a7\u00a023 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG a.F.) &#8211; entgegen seiner bisherigen st\u00e4ndigen Rechtsprechung &#8211; zu dem Ergebnis gelangt, dass der Differenzausgleich nicht nur positiv, sondern auch negativ ausfallen kann. Unter dem Aspekt einer Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsf\u00e4higkeit macht es aus Sicht des BFH aber keinen Unterschied, ob es tats\u00e4chlich zu einem steuerbaren negativen Differenzausgleich kommt oder ob ein solcher aufgrund des Verfalls der Optionen unterbleibt. In beiden Varianten beruht die bei dem Steuerpflichtigen eintretende Verm\u00f6gensminderung auf der Wertentwicklung des Basiswerts mit der Folge, dass die gezahlten Optionspr\u00e4mien als Werbungskosten abzugsf\u00e4hig sind. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Das FG D\u00fcsseldorf hat sich in seiner Entscheidung der Urteilsbegr\u00fcndung des BFH f\u00fcr die ab dem 01.01.2009 geltende Rechtslage angeschlossen. Aus Sicht der Steuerpflichtigen ist die Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf daher zu begr\u00fc\u00dfen. Das FG hat die Revision allerdings zugelassen, da zu der streitigen Rechtsfrage f\u00fcr die ab dem 01.01.2009 geltende Rechtslage noch keine Rechtsprechung des BFH vorliegt. Das FG kommt zu dem m.E. zutreffenden Ergebnis, dass die Entscheidungsgr\u00fcnde des BFH auf die aktuelle Rechtslage (\u00a7\u00a020 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a EStG) \u00fcbertragbar sind, da der Wortlaut der Vorschrift von \u00a7\u00a023 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG a.F. &#8211; bis auf den Wegfall der einj\u00e4hrigen Spekulationsfrist &#8211; nicht abweicht. Der aus \u00a7 20 Abs. 9 Satz 1 EStG resultierende Ausschluss eines Werbungskostenabzugs steht einer steuerwirksamen Ber\u00fccksichtigung der Aufwendungen f\u00fcr die erworbenen Optionen nicht entgegen, weil es sich um von \u00a7\u00a020 Abs. 4 Satz 5 EStG erfasste Aufwendungen handelt, die in einem unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem hierdurch begr\u00fcndeten Termingesch\u00e4ft stehen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">Die Finanzverwaltung hat die BFH-Entscheidung vom 29.09.2012 zwar im Bundessteuerblatt ver\u00f6ffentlicht, die Entscheidung allerdings f\u00fcr die F\u00e4lle des \u00a7\u00a020 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a EStG mit einem Nichtanwendungserlass belegt (vgl. BMF v. 27.03.2013, BStBl. I 2013 S. 403 = <\/span><a href=\"http:\/\/www.der-betrieb.de\/content\/dft,0,585209,\"><span style=\"text-decoration: underline\"><span style=\"color: #0000ff;font-family: Calibri;font-size: medium\">DB0585209<\/span><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">). Insoweit ist es konsequent, dass die Finanzverwaltung versucht, ihre Rechtsauffassung in dem gegen die Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf unter dem Az. VIII R 31\/14 beim BFH anh\u00e4ngigen Revisionsverfahren durchzusetzen.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>StB Dipl.-Kfm. Dr. Christian Hick, Partner bei FGS Flick Gocke Schaumburg, Bonn Die einkommensteuerrechtliche Behandlung von Optionsgesch\u00e4ften im Privatverm\u00f6gen stellt sich als stete Quelle finanzgerichtlicher Auseinandersetzungen dar. 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