{"id":7875,"date":"2016-03-09T09:52:18","date_gmt":"2016-03-09T07:52:18","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/?p=7875"},"modified":"2016-03-09T09:52:18","modified_gmt":"2016-03-09T07:52:18","slug":"verluste-aus-dem-verfall-von-optionsrechten-fuer-privatanleger-steuerlich-beruecksichtigungsfaehig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2016\/03\/09\/verluste-aus-dem-verfall-von-optionsrechten-fuer-privatanleger-steuerlich-beruecksichtigungsfaehig\/","title":{"rendered":"Verluste aus dem Verfall von Optionsrechten f\u00fcr Privatanleger steuerlich ber\u00fccksichtigungsf\u00e4hig"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_6862\" style=\"width: 126px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6862\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-6862\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2014\/07\/Fischer-Nico-012-116x168.jpg\" alt=\"RA Dr. Nico Fischer, Counsel bei P+P P\u00f6llath + Partners, M\u00fcnchen\" width=\"116\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2014\/07\/Fischer-Nico-012-116x168.jpg 116w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2014\/07\/Fischer-Nico-012-440x635.jpg 440w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2014\/07\/Fischer-Nico-012-755x1090.jpg 755w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2014\/07\/Fischer-Nico-012-207x300.jpg 207w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2014\/07\/Fischer-Nico-012.jpg 1665w\" sizes=\"(max-width: 116px) 100vw, 116px\" \/><p id=\"caption-attachment-6862\" class=\"wp-caption-text\">RA Dr. Nico Fischer, Counsel bei P+P P\u00f6llath + Partners, M\u00fcnchen<\/p><\/div>\n<p>Am 2.\u00a0M\u00e4rz 2016 hat der BFH drei Entscheidungen ver\u00f6ffentlicht (BFH vom 12.01.2016 \u2013 IX R 48\/14 [<a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635931095724924748&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2fzsa%2fdb%2fee%2f4%2fee472b1fb8a8d4eebeb81bcfc219a71c.xml&amp;ref=hitlist_hl\">DB 2016 S. 508<\/a>], IX R 49\/14 [<a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635931096060237863&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2frsv%2frsv_collection%2f9b%2fc%2f9bc2c1851f9e90a2f4f6dd9d221e3686.xml&amp;ref=hitlist_hl\">RS1194050<\/a>] und IX R 50\/14 [<a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635931096300709169&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2frsv%2frsv_collection%2fcb%2f1%2fcb18c75b6a31717b8b4087c00a0077bb.xml&amp;ref=hitlist_hl\">RS1194051<\/a>]), die die ertragssteuerliche Behandlung von Verlusten aus dem Verfall von Optionsrechten zum Gegenstand hatten. Entgegen der Rechtsauffassung des BMF hat der BFH entschieden, dass Verluste aus dem Verfall von Optionen die Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen mindern.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Beim Optionsgesch\u00e4ft (bedingtes Termingesch\u00e4ft) erwirbt der K\u00e4ufer der Option (Optionsnehmer) gegen Bezahlung einer Optionspr\u00e4mie das Recht, bestimmte Basiswerte (z.B. Aktien) vom Verk\u00e4ufer der Option (Optionsgeber oder sog. Stillhalter) w\u00e4hrend einer bestimmten Frist oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vereinbarten Basispreis zu kaufen (Kaufoption oder \u201ecall\u201d) oder zu verkaufen (Verkaufsoption oder \u201eput\u201d).<\/p>\n<p>Das Optionsrecht erlischt entweder durch Aus\u00fcbung des Optionsrechts, durch sog. Glattstellung oder durch Nichtaus\u00fcbung der Option innerhalb der Optionsfrist (Verfall). Bei einem Verfall vertritt das BMF die Ansicht, dass mit dem Erwerb der Option zusammenh\u00e4ngende Anschaffungskosten (Optionspr\u00e4mien) einkommensteuerrechtlich unbeachtlich sind (vgl. BMF-Schreiben vom 18.01.2016, BStBl. I 2016 S.\u00a085 = <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=0&amp;t=635931096528366874&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2fvwa%2fvwa_collection%2f7e%2f4%2f7e4815796425093aa9893ca2ac2f7c12.xml&amp;ref=hitlist_hl\">VA1189835<\/a>, Rn. 27 und vom 27.03.2013, BStBl. I 2013 S.\u00a0 403 = <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?hitnr=1&amp;t=635931096767118454&amp;url=rn%3aroex^^file%3a%2f%2fR|%2f03%2f02%2f01%2fzsa%2fdb%2fe5%2f5%2fe551ffb0d42d8c89206d3ab08dd95bc5.xml&amp;ref=hitlist_hl\">DB 2013 S. 731<\/a>)<em>.<\/em> Argumentativ st\u00fctzt sich das BMF insoweit insbesondere auf den Wortlaut des \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 Buchst.\u00a0a EStG. Danach geh\u00f6rt zu den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen nur der Gewinn aus Termingesch\u00e4ften, durch die der Steuerpflichtige einen Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer ver\u00e4nderlichen Bezugsgr\u00f6\u00dfe bestimmten Geldbetrag oder Vorteil erlangt. Beim Verfall von Optionsrechten fehle es jedoch nach Auffassung des BMF gerade an dem \u201eErlangen eines Differenzausgleichs in Form eines Geldausgleichs oder sonstigen Vorteils\u201c, sodass \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 Buchst.\u00a0a EStG tatbestandlich nicht vorliege und Verluste (regelm\u00e4\u00dfig in H\u00f6he der Optionspr\u00e4mie) aus dem Verfall von Optionen nicht zu ber\u00fccksichtigen seien.<\/p>\n<p>Mit den o.g. drei Urteilen hat der BFH diese Rechtsauffassung des BMF abgelehnt.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>In den zu entscheidenden F\u00e4llen war jeweils streitig, ob die Kl\u00e4ger infolge des Verfalls von Index- und Aktienoptionen einen steuerlich zu ber\u00fccksichtigenden Verlust i.S.d. \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 Buchst.\u00a0a, Abs.\u00a04 Satz\u00a05 EStG erzielt hatten. Konkret ging es um Privatanleger, die Index- oder Aktienoptionen erworben hatten. Statt des erwarteten Kursanstiegs kam es jedoch zu starken Kursr\u00fcckg\u00e4ngen \u2013 mithin zu Wertverlusten der Kaufoptionen. Die Kl\u00e4ger lie\u00dfen daher ihre Optionsrechte verfallen und begehrten im Rahmen ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rungen die Ber\u00fccksichtigung der aus dem Verfall der Optionsrechte resultierenden Verluste.<\/p>\n<p><strong>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p>Nach Ansicht des BFH sind die Anschaffungskosten (Optionspr\u00e4mie) f\u00fcr verfallene Optionen bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte aus Termingesch\u00e4ften nach \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 Buchst.\u00a0a EStG i.V.m. \u00a7\u00a020 Abs.\u00a04 Satz\u00a05 EStG zu ber\u00fccksichtigen. In diesem Zusammenhang resultierende Verluste sind folglich nach Ma\u00dfgabe des \u00a7\u00a020 Abs.\u00a06 EStG innerhalb der Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen verrechenbar (beschr\u00e4nkte Verrechnung von Verlusten).<\/p>\n<p>Nach Ansicht des BFH verlangt n\u00e4mlich der Tatbestand des \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 Buchst.\u00a0a EStG bei <em>wortlautgetreuer<\/em> Auslegung nicht die tats\u00e4chliche Durchf\u00fchrung des Basisgesch\u00e4fts oder des Differenzausgleichs. Soweit der Gesetzeswortlaut einen &#8222;Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer ver\u00e4nderlichen Bezugsgr\u00f6\u00dfe bestimmten Geldbetrag oder Vorteil&#8220; voraussetze, umschreibe dies nur die Art der von der Vorschrift erfassten Termingesch\u00e4fte. Daher stelle die Vorschrift mit dem Ausdruck \u201eGewinn bei Termingesch\u00e4ften\u201c tatbestandlich auf den Abschluss eines Termingesch\u00e4fts und dessen wirtschaftliches Ergebnis ab, sodass gerade nicht zwischen Er\u00f6ffnungs- und Basisgesch\u00e4ft zu differenzieren sei.<\/p>\n<p>Die Anschaffung einer Option und der Ausgang des Optionsgesch\u00e4fts seien daher bei der ertragsteuerrechtlich gebotenen wirtschaftlichen Betrachtungsweise grunds\u00e4tzlich als Einheit zu betrachten. Vor diesem Hintergrund sei die Norm <em>teleologisch<\/em> dahingehend auszulegen, dass einen &#8222;Vorteil&#8220; aus einem Termingesch\u00e4ft (Option) derjenige &#8222;erlangt&#8220;, der mit dem Erwerb der Option das (bedingte) Recht auf einen Barausgleich erwirbt, egal ob er den Barausgleich im Fall einer f\u00fcr ihn g\u00fcnstigen Wertentwicklung tats\u00e4chlich durchf\u00fchrt oder ob er im Fall einer f\u00fcr ihn ung\u00fcnstigen Wertentwicklung das Recht verfallen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch spreche eine <em>verfassungskonforme<\/em> Auslegung daf\u00fcr, den Verfall einer Option als steuerbaren Vorgang nach \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 Buchst.\u00a0a EStG einzuordnen, da nur insoweit dem verfassungsrechtlichen Gebot der Ausrichtung der Steuerlast am Prinzip der finanziellen Leistungsf\u00e4higkeit und dem Gebot der Folgerichtigkeit in Art.\u00a03 Abs.\u00a01 GG entsprochen werde. Dies, weil die Leistungsf\u00e4higkeit des Optionsk\u00e4ufers um die aufgewandten Optionspr\u00e4mien gemindert ist, unabh\u00e4ngig davon, ob er die Option aus\u00fcbt oder verfallen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Rechtsprechung als Wegweiser f\u00fcr Verluste aufgrund Forderungsausfalls?<\/strong><\/p>\n<p>Abzuwarten bleibt, ob der BFH diese Rechtsprechungsrichtung \u2013 die auf ganzer Linie aufgrund der vorgenommenen (auch verfassungskonformen) Auslegung des \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 Buchst.\u00a0a EStG nach dem Wortlaut und nach dem Sinn und Zweck \u00fcberzeugt \u2013 im Hinblick auf ein anh\u00e4ngiges Revisionsverfahren betreffend die ertragsteuerliche Ber\u00fccksichtigung von Forderungsausf\u00e4llen im Privatverm\u00f6gen (Az. VIII R 13\/15) beibehalten wird.<\/p>\n<p>Dem anh\u00e4ngigen Verfahren liegt die Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf vom 11.03.2015 (7\u00a0K 3661\/14E) zugrunde. Hier versagte das FG die Ber\u00fccksichtigung einer ausgefallenen privaten Darlehensforderung als Verlust bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen. Eine profunde argumentative Auseinandersetzung mit dem ungekl\u00e4rten Thema, ob Forderungsausf\u00e4lle im Privatverm\u00f6gen steuerlich beachtlich sind, nimmt das FG nicht vor. Lediglich kursorisch wird die Entscheidung insbesondere mit dem Wortlaut des \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Nr.\u00a07 EStG i.V.m. \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a02 EStG begr\u00fcndet. Danach gelte als Ver\u00e4u\u00dferung einer Kapitalforderung auch die Einl\u00f6sung, R\u00fcckzahlung, Abtretung oder verdeckte Einlage in eine Kapitalgesellschaft. Da der Ausfall einer Forderung gerade nicht vom blo\u00dfen Wortlaut des \u00a7\u00a020 Abs.\u00a02 Satz\u00a02 EStG umfasst sei, k\u00f6nne der blo\u00dfe Forderungsausfall daher keine steuerliche Ber\u00fccksichtigung finden.<\/p>\n<p>Legt man den Sachverhalten \u201eVerfall eines Optionsrechts\u201c und \u201eForderungsausfall\u201c den Grundgedanken der Abgeltungsteuer zugrunde, wonach alle Wert\u00e4nderungen, die mit Kapitalanalagen im Zusammenhang stehen, vollst\u00e4ndig zu erfassen sind, so w\u00e4re es nur konsequent, wenn der BFH in dem anh\u00e4ngigen Verfahren die steuerliche Ber\u00fccksichtigung von Forderungsausf\u00e4llen bejahen w\u00fcrde. Denn die steuerliche relevante Leistungsf\u00e4higkeit des Darlehensgebers ist auch in H\u00f6he eines Forderungsausfalls tats\u00e4chlich gemindert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2.\u00a0M\u00e4rz 2016 hat der BFH drei Entscheidungen ver\u00f6ffentlicht (BFH vom 12.01.2016 \u2013 IX R 48\/14 [DB 2016 S. 508], IX R 49\/14 [RS1194050] und IX R 50\/14 [RS1194051]), die die ertragssteuerliche Behandlung von Verlusten aus dem Verfall von Optionsrechten &hellip; <a href=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2016\/03\/09\/verluste-aus-dem-verfall-von-optionsrechten-fuer-privatanleger-steuerlich-beruecksichtigungsfaehig\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":304378,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[24531,2241],"tags":[2415,44991,44993,44992,44994,44995],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7875"}],"collection":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/users\/304378"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7875"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7875\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7877,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7875\/revisions\/7877"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}