{"id":8430,"date":"2018-01-10T15:39:39","date_gmt":"2018-01-10T13:39:39","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/?p=8430"},"modified":"2018-01-10T15:39:39","modified_gmt":"2018-01-10T13:39:39","slug":"erbschaftsteuerbefreiung-von-unternehmensvermoegen-der-bayerische-sonderweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2018\/01\/10\/erbschaftsteuerbefreiung-von-unternehmensvermoegen-der-bayerische-sonderweg\/","title":{"rendered":"Erbschaftsteuerbefreiung von Unternehmensverm\u00f6gen \u2013 der bayerische Sonderweg"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8293\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8293\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-8293\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2017\/07\/Voelkel_Tobias-168x112.jpg\" alt=\"\" width=\"168\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2017\/07\/Voelkel_Tobias-168x112.jpg 168w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2017\/07\/Voelkel_Tobias-440x293.jpg 440w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2017\/07\/Voelkel_Tobias-768x512.jpg 768w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2017\/07\/Voelkel_Tobias-755x503.jpg 755w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2017\/07\/Voelkel_Tobias-450x300.jpg 450w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2017\/07\/Voelkel_Tobias.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><p id=\"caption-attachment-8293\" class=\"wp-caption-text\">RA Dipl.-Fw. (FH) Tobias V\u00f6lkel, Associate bei P+P P\u00f6llath + Partners, M\u00fcnchen<\/p><\/div>\n<p>Durch den koordinierten L\u00e4ndererlass vom 22.06.2017 (BStBl. I 2017 S.\u00a0902 = <a href=\"https:\/\/recherche.der-betrieb.de\/document.aspx?docid=VA1245300\"><span class=\"hitfooter\"><span class=\"hbfm-doc-footer\">VA1245300<\/span><\/span><\/a>) haben bis auf Bayern s\u00e4mtliche Bundesl\u00e4nder einheitlich Stellung zur Anwendung der ge\u00e4nderten Vorschriften f\u00fcr die Erbschaftsteuerbefreiung von Unternehmensverm\u00f6gen genommen. Mit Verf\u00fcgung vom 14.11.2017 (DStR 2017 S.\u00a02554) hat sich nun die bayerische Finanzverwaltung den anderen Bundesl\u00e4ndern angeschlossen. In zwei Punkten weicht Bayern allerdings (berechtigterweise) ausdr\u00fccklich von der Sichtweise der \u00fcbrigen Bundesl\u00e4nder ab.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Der Sonderweg Bayerns<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Minderung verf\u00fcgbares Verm\u00f6gen um Erbschaftsteuerbelastung<br \/>\n<\/strong>Im Rahmen des sog. \u201eErlassmodells\u201c ist bei der Ermittlung des verf\u00fcgbaren Verm\u00f6gens i.S.d. \u00a7\u00a028a Abs. 2 ErbStG abweichend von Abschn. 28a.2 Abs. 2 Satz 6 des koordinierten L\u00e4ndererlasses der Wert des verf\u00fcgbaren Verm\u00f6gens um die auf den steuerpflichtigen Erwerb entfallende Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer zu mindern.<\/li>\n<li><strong>Kein junges Verwaltungsverm\u00f6gen bei konzerninternen Umstrukturierungen<br \/>\n<\/strong>Wenn innerhalb eines Konzerns im Zweijahreszeitraum vor der Steuerentstehung Gegenst\u00e4nde des Verwaltungsverm\u00f6gens oder Finanzmittel zwischen einzelnen Beteiligungsebenen oder Beteiligungsstr\u00e4ngen \u00fcbertragen werden, sind diese entgegen dem koordinierten L\u00e4ndererlass nicht als sch\u00e4dliches (junges) Verwaltungsverm\u00f6gen zu behandeln (\u00a7\u00a013b Abs.\u00a07 Satz\u00a02 ErbStG).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Verfahrensrechtliche Folgeprobleme <\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Bestimmung des verf\u00fcgbaren Verm\u00f6gens <\/strong><\/p>\n<p>Die Voraussetzungen des \u201eErlassmodells\u201c (\u00a7\u00a028a ErbStG) werden ausschlie\u00dflich vom Erbschaft- und Schenkungsteuer-Finanzamt beurteilt. Ber\u00fccksichtigt Bayern die Erbschaft- und Schenkungsteuerbelastung bei der Bestimmung des verf\u00fcgbaren Verm\u00f6gens (\u00a7\u00a028a Abs.\u00a02 ErbStG), f\u00fchrt dies zwar mangels l\u00e4nder\u00fcbergreifender Feststellung nicht zu verfahrenrechtlichen Verwerfungen. Allerdings k\u00f6nnen dadurch auch nur Steuerpflichtige in Bayern von der g\u00fcnstigen Auffassung profitieren.<\/p>\n<p><strong>2. Qualifikation als junges Verwaltungsverm\u00f6gen<\/strong><\/p>\n<p>Das junge Verwaltungsverm\u00f6gen wird von den Betriebsst\u00e4tten-Finanz\u00e4mtern gesondert festgestellt (\u00a7 13b Abs. 10 Satz 1 ErbStG). Diese Feststellung ist als Grundlagenbescheid f\u00fcr die Erbschaft- und Schenkungsteuer-Finanz\u00e4mter bindend (\u00a7\u00a0171 Abs.\u00a010 i.V.m. \u00a7\u00a0175 Abs.\u00a01 Nr.\u00a01 AO). Befindet sich eines der beteiligten Finanz\u00e4mter in Bayern und das andere im \u00fcbrigen Bundesgebiet, ergeben sich nunmehr zwei Fallgruppen, die es zu unterscheiden gilt (ZEV 2017 S. 735):<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Feststellungs-Finanzamt in Bayern und Erbschaft- und Schenkungsteuer-Finanzamt im \u00fcbrigen Bundesgebiet<br \/>\n<\/strong>Das bayerische Feststellungs-Finanzamt legt im Grundlagenbescheid seine f\u00fcr den Steuerpflichtigen g\u00fcnstige Sichtweise zugrunde. An diese Feststellung ist das Erbschaft- und Schenkungsteuer-Finanzamt gebunden, auch wenn es die Feststellung inhaltlich f\u00fcr falsch h\u00e4lt. Damit k\u00f6nnen auch Steuerpflichtige au\u00dferhalb Bayerns von der g\u00fcnstigen Auffassung profitieren.<\/li>\n<li><strong>Feststellungs-Finanzamt im \u00fcbrigen Bundesgebiet und Erbschaft- und Schenkungsteuer-Finanzamt in Bayern<br \/>\n<\/strong>Das Feststellungs-Finanzamt legt im Grundlagenbescheid seine f\u00fcr den Steuerpflichtigen ung\u00fcnstige Sichtweise zugrunde. Hieran ist das bayerische Erbschaft- und Schenkungsteuer-Finanzamt gebunden, auch wenn es die hierdurch festzusetzende Steuer als zu hoch ansieht.<br \/>\nAuch ein (au\u00dfergerichtliches) Rechtsbehelfsverfahren hilft dem Steuerpflichtigen in diesem Fall nicht weiter. Aufgrund der Bindungswirkung des Feststellungsbescheids w\u00e4re dieses gegen den Feststellungsbescheid beim Feststellungs-Finanzamt zu f\u00fchren. Aufgrund der eindeutigen Verwaltungsanweisung h\u00e4tte der Steuerpflichtige aber im au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren keinen Erfolg. Auch ein Antrag auf Erlass der Steuer aus sachlicher Unbilligkeit (\u00a7\u00a0227 AO) beim bayerischen Erbschaft- und Schenkungsteuer-Finanzamt d\u00fcrfte indes ausscheiden, denn \u00a7 227 AO ist kein Mittel, um vers\u00e4umte Rechtsbehelfe zu ersetzen. Gegen eine unrichtige Steuerfestsetzung muss sich der Steuerpflichtige im Wege des au\u00dfergerichtlichen und ggf. gerichtlichen Rechtsbehelfsverfahrens zur Wehr setzen. Letzteres bleibt dem Steuerpflichtigen unbenommen, denn die Gerichte sind in ihrer Entscheidung nicht an die Verwaltungsauffassung gebunden. Will der Steuerpflichtige also von der g\u00fcnstigen bayerischen Auffassung profitieren, ist ihm zu raten, sich gerichtlich gegen den Feststellungsbescheid zu wehren.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der weitgehende Anschluss Bayerns an den koordinierten L\u00e4ndererlass ist aus Gr\u00fcnden der Rechtssicherheit zu begr\u00fc\u00dfen. Die bayerischen Vorbehalte sind in der Sache richtig und f\u00fcr den Steuerpflichtigen g\u00fcnstig. Leider ist nicht zu erwarten, dass sich die anderen Bundesl\u00e4nder dieser Sichtweise anschlie\u00dfen. Deshalb w\u00e4re eine zeitnahe h\u00f6chstrichterliche Kl\u00e4rung w\u00fcnschenswert. Bis dahin f\u00fchrt die unterschiedliche Handhabe in Bayern und im \u00fcbrigen Bundesgebiet in der Praxis zu Schwierigkeiten, da nun neben der ohnehin bereits hohen Komplexit\u00e4t der erbschaftsteuerlichen Verschonungsregelungen zus\u00e4tzlich auch noch die geographische Lage des Verm\u00f6gens und die damit einhergehenden unterschiedlichen Verwaltungsauffassungen beachtet werden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch den koordinierten L\u00e4ndererlass vom 22.06.2017 (BStBl. 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