{"id":9304,"date":"2020-09-25T17:51:20","date_gmt":"2020-09-25T15:51:20","guid":{"rendered":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/?p=9304"},"modified":"2020-09-25T17:54:01","modified_gmt":"2020-09-25T15:54:01","slug":"zum-scheitern-von-digitalisierungsprojekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/2020\/09\/25\/zum-scheitern-von-digitalisierungsprojekten\/","title":{"rendered":"Zum Scheitern von Digitalisierungsprojekten"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_9303\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9303\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-9303\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek2c.png\" alt=\"\" width=\"168\" height=\"116\" \/><p id=\"caption-attachment-9303\" class=\"wp-caption-text\">Andreas W\u00e4hnert, Betriebspr\u00fcfer der Finanzverwaltung und Entwickler des Pr\u00fcfungsnetzes \u201eSummarische Risikopr\u00fcfung (SRP)\u201c<br \/>Prof. Dr. Bernd Giezek, Hochschullehrer f\u00fcr \u201equantitative Methoden\u201c an der FOM in Frankfurt\/M.<\/p><\/div>\n<p>\u201eDigitalisierung ist Chefsache\u201c und \u201eDeutschland darf bei der Digitalisierung nicht den Anschluss verlieren\u201c sind Mantras, wie sie in den letzten Jahren von fast jedem Spitzenpolitiker in die Mikrofone diktiert wurden. In der Wirtschaft scheint hingegen sowohl auf der Arbeitgeber- als auch auf der Arbeitnehmerseite Frustration weit verbreitet zu sein, dass trotz betr\u00e4chtlicher Ausgaben die Umstellung des Personals auf digitales Arbeiten nicht wie gew\u00fcnscht gelingt. Die Einrichtung der Enquete-Kommission des Bundestages \u201eBerufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt\u201c deutet darauf hin, dass offenbar noch keine befriedigenden L\u00f6sungen gefunden wurden. Woran liegt das?<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unzutreffende Vorstellung von Digitalkompetenz<\/strong><\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Bernd Giezek<\/em> und <em>Andreas W\u00e4hnert<\/em> sehen das Hauptproblem darin, dass Entscheider eine unzutreffende Vorstellung von den Anforderungen an digitales Arbeiten \u2013 von der \u201eDigitalkompetenz\u201c \u2013 haben und somit die meisten Ma\u00dfnahmen wirkungslos \u201everpuffen\u201c m\u00fcssen: Im Bereich des (steuerlichen) Rechts z.B. wird nach ihren Erfahrungen die digitale Komponente des Arbeitens \u00fcberwiegend in der Bedienung von Kommunikationsplattformen vergleichbar Elster gesehen, die nach einer kurzen Eingew\u00f6hnung den Arbeitsalltag vielfach erleichtern. Tats\u00e4chlich erfordert die der Rechtsanwendung zwingend vorgelagerte Sachverhaltsaufkl\u00e4rung das Zusammenf\u00fchren und gemeinsame Auswerten einer Masse an digitalen Informationen. So sollen z.B. Betriebspr\u00fcfer Millionen von Datens\u00e4tzen aus der betrieblichen Aufzeichnung in m\u00f6glichst kurzer Zeit zielf\u00fchrend auf Fehler und Manipulationen untersuchen.<\/p>\n<p>Wie die folgende Gegen\u00fcberstellung zum Kompetenzprofil \u201eDigitalisierung\u201c <em>(Differenzierung angelehnt an: Bravidor\/F\u00f6rster\/Wei\u00dfenberger, WPg 2020 S. 287)<\/em> zeigt, kann die Auswertung zur Verf\u00fcgung stehender Daten mittels technischer IT-Mittel wie Filtern und Sortieren erfolgen. Durch die statistische Betrachtung der Informationen \u00fcber Kennzahlen und Stichproben k\u00f6nnen weitere Erkenntnisse gewonnen werden. Zus\u00e4tzlich erm\u00f6glichen heutige Softwarel\u00f6sungen vielf\u00e4ltige modellbasierte Analysen wie Zeitreihen- oder H\u00e4ufigkeits-\/Musterdiagramme. Fraglos gelingt der schnellste und beste Zugang durch eine systematische Kombination dieser Herangehensweisen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-9306\" src=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek_Abbildung-755x432.png\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek_Abbildung-755x432.png 755w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek_Abbildung-168x96.png 168w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek_Abbildung-440x252.png 440w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek_Abbildung-768x439.png 768w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek_Abbildung-500x286.png 500w, https:\/\/page.fachmedien.de\/wordpress\/steuerboard\/files\/2020\/09\/Waehnert_Giezek_Abbildung.png 813w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/p>\n<p><strong>Digitalkompetenz erfordert umfangreiches interdisziplin\u00e4res Anforderungsprofil<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem oben dargestellten Kompetenzprofil l\u00e4sst sich ebenfalls ableiten, dass f\u00fcr rein technische L\u00f6sungsans\u00e4tze lediglich ein strukturiertes Arbeiten erlernt werden muss. Kennzahlen und Stichproben erfordern f\u00fcr ihren zielf\u00fchrenden Einsatz und die korrekte Ergebnisdeutung zus\u00e4tzlich mathematische und wirtschaftliche Kenntnisse. Modellbasierte Auswertungen setzen mindestens weitere Grundlagen in den Bereichen \u201eModellanalyse\u201c, \u201eNaturwissenschaften (nat\u00fcrliche Verteilungen)\u201c und \u201eWahrnehmungsphysiologie\u201c voraus. Somit resultiert f\u00fcr eine hohe Digitalkompetenz ein umfangreiches interdisziplin\u00e4res Anforderungsprofil. Gerade diese F\u00e4higkeiten werden in der heutigen Arbeitswelt in vielen (akademischen) Berufen ben\u00f6tigt, damit das Fachwissen \u201egewinnbringend\u201c auf der Grundlage der vielen verf\u00fcgbaren Informationsquellen eingesetzt werden kann: Entsprechend wird die Bedeutung der Rechtsanwendung in steuerrechtlichen Berufen mit der Verbreitung automatisierender Softwarel\u00f6sungen (vgl.<em> Weber, <\/em><a href=\"https:\/\/taxtech.blog\/2019\/02\/13\/steuergesetze-in-der-semantischen-netzwerkanalyse\/\">taxtech.blog vom 13.02.2019<\/a><em>)<\/em> gegen\u00fcber der Informationsauswertung (Sachverhaltsaufkl\u00e4rung) zunehmend an Bedeutung verlieren \u2013 wie es bereits in vielen anderen Berufen geschehen ist.<\/p>\n<p><strong>Entwicklung systematischer Didaktik-Konzepte erforderlich<\/strong><\/p>\n<p>Solange die Komplexit\u00e4t der Anforderungen beruflicher \u201eDigitalkompetenz\u201c in den Entscheidungs- und Empfehlungsebenen nicht zutreffend erkannt wird, k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen(vorschl\u00e4ge) in Politik, Wirtschaft und Verwaltung h\u00f6chstens zuf\u00e4llig in die richtige Richtung gehen, werden aber mit Sicherheit nicht ausreichen. Hinzu kommt, dass auch in den allgemeinbildenden Schulen digitale Lehrkonzepte fehlen. Die Nutzung eines digitalen Endger\u00e4tes in der Schule erzeugt noch keine digitale Bildung. Die Digitalisierung kennt keine Grenzen und ein Wirtschaftsstandort wie Deutschland braucht dringend l\u00e4nder\u00fcbergreifende Mindeststandards nicht nur aber auch in den MINT-F\u00e4chern. Mathematiknoten wie in Bremen anzuheben, zeigt dass Teile der Politik nicht verstanden haben, welche Themen f\u00fcr die digitale Bildung wichtig sind. Wenn hier weiterhin keine systematischen Didaktik-Konzepte entwickelt werden, die nicht nur den digitalen Themen gen\u00fcgend Platz einr\u00e4umen sondern auch die Verkn\u00fcpfung zum Fachwissen herstellen, wird Deutschland zwangsl\u00e4ufig bei der Digitalisierung den Anschluss verlieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDigitalisierung ist Chefsache\u201c und \u201eDeutschland darf bei der Digitalisierung nicht den Anschluss verlieren\u201c sind Mantras, wie sie in den letzten Jahren von fast jedem Spitzenpolitiker in die Mikrofone diktiert wurden. 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